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Mad Max gegen Prinz Charles

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Sie geben in der Formel 1 den Ton an: Saudi-Arabien-Sieger Max Verstappen (r.) und Auftakt-Sieger Charles Leclerc. © IMAGO

Titelverteidiger Max Verstappen und Charles Leclerc kristallisieren sich als die großen WM- Favoriten heraus. Lewis Hamilton und Mercedes stehen unter ungewohntem Druck.

Lewis Hamilton konnte es nicht erwarten, »endlich hier wegzukommen«. Der langjährige Herrscher über die Formel 1 machte in Saudi-Arabien am Ende nicht mal mehr gute Miene. Der Schrecken über einen Drohnenangriff in Streckennähe war das eine, doch auch sportlich ist der Rekordweltmeister zu einer Randfigur degradiert worden. Der Regel-Umsturz hat den Generationenwechsel vorangetrieben, die neuen Hauptdarsteller heißen Max Verstappen und Charles Leclerc.

Die Formel 1 hat ein »neues Königsduell«, urteilte die Schweizer Boulevardzeitung »Blick« euphorisch. Für den »Corriere dello Sport« steht fest, dass der Titelkampf zu einer »Privatangelegenheit« zwischen Weltmeister Verstappen und dem ebenfalls 24-jährigen Ferrari-Star Leclerc wird.

»Nach dem letzten Jahr haben wir nicht geglaubt, dass es noch eine Steigerung geben kann, aber danach sieht es jetzt aus«, schwärmte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko am Sky-Mikrofon nach dem hauchdünnen Verstappen-Sieg vor Leclerc.

Die beiden Piloten verfügen über unglaubliches Talent und ziehen auch am Limit nicht zurück, wie die taktischen Bremsmanöver und furchtlosen Windschattenschlachten im Betonkanal von Dschidda zeigten.

Schon früher knallharte Kartduelle

Der niederländische Rennfahrersohn Verstappen und der Monegasse Leclerc duellierten sich schon auf der Kartbahn kompromisslos, bei Youtube findet sich ein Video des aufgebrachten Teenagers Verstappen, der auf Leclerc nach einer Kollision schimpft. Eine Szene, die man vielleicht bald in ähnlicher Form in der Formel 1 sieht.

Noch begegnen sich Leclerc, der das Auftaktrennen gewann und deswegen nach zwei WM-Läufen 20 Punkte Vorsprung hat, und Verstappen voller Hochachtung. »Wir waren beide am Limit, wir sind beide viele Risiken eingegangen - da musst du schon viel Vertrauen haben in deinen Gegner, damit auf so einer gefährlichen Strecke nichts passiert«, sagte Leclerc. Ähnlich äußerte sich Verstappen: »Das war ein beinhartes Duell mit Charles, aber immer voller Respekt. Das ist smartes Racing, es hat großen Spaß gemacht.«

Vergleichbares hörte man von Verstappen vor ziemlich genau einem Jahr, als er sich mit endlich gleichwertigem Material aufmachte, die Dominanz von Hamilton und Mercedes zu brechen. Der Ton wurde damals allerdings schnell rauer. Und je weiter die Saison voranschritt, desto häufiger lagen die Kontrahenten auch auf der Strecke überkreuz.

Verstappen, der wegen seiner mitunter blinden Entschlossenheit den Spitznamen »Mad Max« trägt, wird als Weltmeister kaum zurückziehen. Auch Leclerc hat schon bewiesen, dass er trotz seiner geschliffenen Manieren im Rennwagen die Krallen ausfahren kann. Sebastian Vettel, der gegen ihn in seinen letzten beiden Ferrari-Jahren das Nachsehen hatte, kann davon ein Lied singen. Die Rivalität zwischen Verstappen und Le-clerc »wird diese Formel-1-Saison prägen«, glaubt deswegen auch »La Repubblica«.

Und Sir Lewis Hamilton? Der immer noch größte Star der Szene droht nach acht Jahren mit mindestens acht Saisonsiegen zum Ritter von der traurigen Gestalt zu werden. Mercedes hat sich beim Konzept des neuen Autos verpokert, geht bei der Fahrzeugeinstellung deswegen Risiken ein - die in Saudi-Arabien nach hinten eher bestraft als belohnt wurden. Nach einem Rennen im »Niemandsland« (Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff) fragte der 37-jährige Hamilton seinen Renningenieur via Funk, ob es für Rang zehn »einen Punkt gibt«. Die Formel 1 scheint sich neu geordnet zu haben - und jeder Fahrer ist nur so gut, wie es sein Auto zulässt.

Die Rolle des siebenmaligen Weltmeisters Hamilton »reduzierte sich auf die einer frustrierten Zweitbesetzung für die Hauptdarsteller, zu denen er gerne gehören würde«, schrieb der »Guardian«, passend zur Oscar-Verleihung in Hollywood, fast mitleidig.

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