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Neuer Vertrag? Neuer Verein?

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Bundestrainer Hansi Flick (r.) hört zu, wenn seine Spieler einen Rat wünschen. Matthias Ginter zum Beispiel muss sich noch entscheiden, ob er nach Dortmund oder zu den Bayern wechselt - oder doch noch in Gladbach bleibt. © IMAGO

(sid). Hansi Flicks Tür steht immer offen - und gerade im WM-Jahr suchen die Nationalspieler häufig das Gespräch mit dem Bundestrainer. Dabei geht es in diesen Tagen immer öfter um Vertragsfragen und Vereinswechsel, denn keiner der WM-Kandidaten will in diesem Sommer mit einer womöglich falschen Entscheidung seine Chance auf die Winter-Weltmeisterschaft in Katar (21.

November bis 18. Dezember) gefährden.

»Wenn sie Rat wollen, bin ich natürlich gerne da«, sagte Flick. Er würde aber nie ein Veto einlegen, die Entscheidung müssten am Ende die Profis selbst treffen: »Ich bin weit davon entfernt, Spielern einen Ratschlag zu geben, ob sie wechseln sollen oder nicht.«

Was Flick aber allen deutlich vermittelt: Wer nicht regelmäßig im Verein spielt, für den ist kein Platz bei der WM. »Als er zur Mannschaft gesprochen hat, war die Botschaft klar«, verriet Julian Draxler, der als Edelreservist bei Paris St. Germain zu den Streichkandidaten zählt: »Er braucht nur fitte Spieler.«

Deswegen dürfte der Weltmeister von 2014 über seine Berater schon jetzt einen Wechsel forcieren. »Ich muss mehr Spiele haben, auch Richtung WM«, sagte Draxler. Zu einem ähnlichen Schluss könnte in den kommenden Wochen Timo Werner kommen, wenn ihn Teammanager Thomas Tuchel beim FC Chelsea weiter auf der Bank versauern lässt. »Bei Chelsea läuft es gerade nicht so, wie ich es mir wünsche«, gab Werner zu.

Das ist bei Tuchels Abwehrchef Antonio Rüdiger zwar anders, dennoch dürfte er wechseln - als Favorit gilt Juventus Turin. Matthias Ginter ist wie Rüdiger ablösefrei und suchte während des ersten Lehrgangs im WM-Jahr das Gespräch mit Flick. »Ich höre auch auf ihn, wie er die Situation sieht«, sagte er.

Der Gladbacher hat die Qual der Wahl, angeblich interessieren sich auch Bayern München und Borussia Dortmund für ihn. Eine Einigung mit den Bayern, über die manche Medien bereits berichtet hatten, verneinte Ginter.

Gut möglich, dass die Münchner Profis in den vergangenen Tagen versucht haben, im Teamquartier auf Ginter positiv einzuwirken. Das hatte in der Vergangenheit öfters gefruchtet, wie beim Wechsel von Leroy Sane 2020 von Manchester City an die Isar.

Doch die Münchner Leistungsträger Manuel Neuer und Thomas Müller sind derzeit selbst mit der Zukunftsfrage beschäftigt. Bei beiden läuft der Vertrag 2023 aus, die Gespräche über eine Verlängerung gestalten sich schwierig. Kein Wunder: Für Neuer (36) und Müller (32) ist es der letzte große Vertrag, der Klub muss aber auf die Altersstruktur achten und die ebenfalls kostspieligen Verlängerungen mit Robert Lewandowski sowie Serge Gnabry managen.

Er wolle »nicht allzu viel darüber plaudern«, sagte Müller ausweichend. Man befinde sich »in einem gewissen Austausch« mit »Respekt von beiden Seiten«. Auch Neuer wollte über den Fortschritt der Verhandlungen nichts Konkretes sagen: »Da gibt es keine Neuigkeiten.« Und wenn doch, erfährt sie Hansi Flick sicher als einer der Ersten.

Vogts rät Ginter zum Verbleib bei Mönchengladbach

Ex-Bundestrainer Berti Vogts hat unterdessen Ginter geraten, seinen Vertrag möglicherweise doch bei Bundesligist Borussia Mönchengladbach zu verlängern. »Ich kann ihm empfehlen, noch einmal in Ruhe darüber nachzudenken. Denn er passt sehr gut zu Gladbach, vielleicht sollte er sich sogar doch noch mal umentscheiden und seinen Vertrag verlängern«, schrieb der 75-Jährige in einer Kolumne beim Nachrichtenportal t-online.de.

Ginter hatte zuletzt betont, dass eine Entscheidung über einen möglichen Wechsel noch nicht gefallen sei. Vogts appellierte an den 28 Jahre alten Weltmeister von 2014, seine Rolle innerhalb einer Mannschaft richtig einzuschätzen: »Bei Gladbach ist er wichtig, beim FC Bayern - mit dem er immer wieder in Verbindung gebracht wird - wäre er nur einer von vielen. Und ich glaube nicht, dass Ginter dort Stammspieler wäre.«

Er beneide die Fußballer dieser Generation überhaupt nicht, so 74er-Weltmeister Vogts: »Du hast immer mindestens einen Berater am Ohr sitzen, der dir einflüstert, wie wichtig das Geld ist. Ich weiß nicht genau, wie es bei Ginter ist, aber sollte es auch bei ihm so sein, kann ich nur empfehlen, sich davon zu lösen und lieber komplett auf sich selbst zu hören. Kein Geld der Welt kann die Freude am Fußball ersetzen.«

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