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Nowitzki in vielen Rollen unterwegs

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Dirk Nowitzki wird die deutsche Nationalmannschaft bei der EM als Botschafter begleiten. © DPA

Botschafter, Berater, Benefizspiel-Gastgeber: Dirk Nowitzki hat nach seiner aktiven Basketball-Karriere viele Rollen. Nun erwartet ihn innerhalb von neun Monaten die zweite ganz große Würdigung.

Dirk Nowitzki ist noch immer ein gestresster Mann. Schon kurz nach seiner Landung in Deutschland absolviert der frühere Superstar der Dallas Mavericks im großen Fußballstadion Fotoshootings und PR-Termine. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht Nowitzki über die bevorstehende Trikotzeremonie des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), seine Nachfolger Dennis Schröder und Luka Doncic, den körperlichen Verschleiß und die verkorkste Heim-EM 2015.

Die Heim-EM steht bevor, zum ersten Mal seit sieben Jahren. Was erwarten Sie stimmungsmäßig und auch vom deutschen Team?

Es wird toll, ein tolles Ereignis. Die Fans werden uns hoffentlich nach vorne pushen. Es wird eine schöne Heim-EM werden, hoffentlich auch besser als damals. Wir wollen nicht hoffen, dass wir wieder in der Vorrunde ausscheiden, sondern dass die Jungs ein tolles Turnier mit Heimpublikum spielen.

Sie selbst sind als Botschafter dabei, wie sieht Ihre Rolle bei der EM aus?

Ich werde das ganze Turnier begleiten und schauen, dass ich bei jedem Deutschland-Spiel dabei sein kann. Wir werden das Turnier unterstützen und uns mit den Fans in Verbindung setzen. Wir wollen Spaß haben. Am 1. September ist ja noch meine Trikotzeremonie, was eine Riesenehre ist. Viele Leute kommen, Freunde und Familie. Das wird ein unvergesslicher Abend für mich.

Für Sie ist es bereits die zweite Trikotzeremonie in diesem Jahr. Ihnen ist so etwas ja normalerweise unangenehm. Glauben Sie, es wird wieder ähnlich emotional wie im Januar in Dallas?

Es ist immer emotional, wenn man so eine große Ehre entgegennimmt. Dass die 14 nicht mehr vergeben wird im deutschen Basketball, ist eine tolle Sache. Das wird wieder schön werden und auch emotional. Ich hoffe, dass ich gut durchkomme. In Dallas habe ich eine längere Rede gehalten, in Köln möchte ich sie um einiges kürzer halten.

Dennis Schröder ist neuer Kapitän des Nationalteams. Hat er so ein bisschen Ihre Rolle für Deutschland eingenommen?

Klar wird viel auf ihm lasten, er ist mit Abstand der beste Spieler. Er wird den Ball oft in der Hand haben und in kritischen Situationen die Entscheidungen treffen. Ich glaube, dafür ist er gemacht. Er lebt für solche Situationen, das Selbstbewusstsein hat er. Ich hoffe, dass er uns weit tragen kann. Dass er ein gutes Turnier spielt und einen guten Mix findet aus selbst zu scoren und die anderen einzubinden. Es ist als Aufbauspieler eine schwere Aufgabe.

In der NBA befindet sich Schröder nun in einer Situation, die Sie gar nicht kennen. Er ist derzeit vereinslos, seine Zukunft ist ungewiss. Machen Sie sich ein bisschen Sorgen?

Ich glaube schon, dass er in der NBA bleiben wird. Jetzt müssen wir mal abwarten, was noch passieren wird. Die Free Agency läuft noch. Ich glaube schon, dass er talentiert genug ist, in der NBA noch ganz oben zu spielen. Er muss nur einen passenden Club finden. Ich hoffe, dass er dann sein Können zeigt.

Was ist vor sieben Jahren bei der Heim-EM schiefgelaufen und was kann die heutige Mannschaft daraus lernen?

Wir hatten echt eine starke Gruppe erwischt. Wir hätten trotzdem noch ein Spiel hier oder da drehen müssen. Ich habe nicht toll getroffen und war schon im gehobeneren Alter und habe das Spiel nicht mehr so tragen können. Wir haben da nicht viel falsch gemacht. Das war einfach bitter. Manchmal läuft es nicht so, wie man will.

Sie wohnen seit über zwei Jahrzehnten in Texas. Was bedeutet Deutschland noch für Sie, wie oft sind Sie hier und was verbinden Sie mit Ihrem Heimatland?

Ich bin jetzt wieder mehr da als zu meiner aktiven Zeit. Da konnte ich nur im Sommer kurz da sein, jetzt bin ich alle paar Wochen da. Ich habe meine Stiftung noch in Würzburg. Ich bin fast alle vier bis sechs Wochen in Deutschland, meine Familie ist noch da und es ist nach wie vor meine Heimat. Ich bin immer wieder gerne da.

Was fehlt Ihnen am meisten aus der Profizeit?

Der Wettbewerb und die Kameradschaft, so ein bisschen die Sachen, von denen ich auch schon vorher wusste, dass sie mir fehlen würden. Ich muss echt sagen: Ich habe den Zirkus 21 Jahre mitgemacht und bin froh, dass es mir im Ruhestand gut geht. Ich hätte es mir fast ein bisschen schlimmer vorgestellt. Ich genieße die Familienzeit, wir reisen viel. Ich kann Sachen machen, die ich zu meiner aktiven Zeit nicht machen konnte. Ich fühle mich echt wohl.

Gibt es Momente, in denen Sie sich sagen, ich habe zu lange gespielt und zu viel kaputtgemacht, was ich jetzt bereue?

Ach, was heißt bereuen? Ich glaube, das gehört einfach dazu, dass man danach ein paar Wehwehchen davonträgt. Es hat einfach am Schluss noch Spaß gemacht. Ich dachte, ich kann noch einiges erreichen. Wenn ich jetzt zurückgehe, kann ich es sowieso nicht mehr ändern. Ich habe 21 Jahre mit einem Team gespielt, das ist ein Rekord, deshalb bin ich natürlich schon auch wahnsinnig stolz drauf. Von daher ist alles gut.

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