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Offensive als laues Lüftchen

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Tor für Wolfsburg durch einen Elfmeter von Max Kruse. Schlussmann Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) hat keine Chance. Jesper Lindström (29) und Martin Hinteregger (13) bleibt nur die Zuschauerrolle. © KESSLER

Keine Frage, ein Rückschlag. Das dritte Heimspiel in Folge hat die Frankfurter Eintracht beim 0:2 gegen Wolfsburg verloren. Und somit auch die Chance liegen gelassen, sich an die internationalen Plätze heranzupirschen.

Der Frankfurter Trainer Oliver Glasner kennt die alte Fußballerweisheit ganz genau, wonach auf dem Platz wichtig sei. Er findet vermutlich, sie sei viel zu weit gefasst und nicht konkret genug. Entscheidend ist das, was in den beiden, neudeutsch gesprochen, Boxen passiert, in den Strafräumen. »Und wenn du dort, wo es am meisten zählt, schlechter bist als der Gegner, dann verlierst du ein Spiel«, argumentierte der Fußballlehrer in sich logisch. Und weil Eintracht Frankfurt zwar »zwischen den beiden Strafräumen ein richtig gutes Spiel gemacht« habe (was freilich nicht stimmt), also da, wo es nicht zählt, in den beiden Sechzehnern, wo es drauf ankommt, aber nicht, haben die Hessen diese Bundesligapartie vor 10 000 zugelassenen Fans auch mit 0:2 (0:1) verloren. Und zwar gegen einen VfL Wolfsburg, der nach den Worten des weitgehend beschäftigungs-, dennoch nicht fehlerlosen Torwarts Kevin Trapp selbst »nicht weiß, wie er gewonnen hat«. Auch das ist nicht ganz korrekt.

Sportvorstand Markus Krösche hat nach der dritten Heimniederlage hintereinander kein Hehl aus seiner Enttäuschung gemacht. »Wir hätten einen Riesenschritt machen können«, sagte er, einen Schritt nach oben, dorthin, wo die Luft dünner, die Trauben aber süßer schmecken. Daraus ist dann erst einmal nichts geworden, weil Eintracht Frankfurt bemerkenswerterweise in diesem Jahr in eigentlich vergangen geglaubte Muster zurückgefallen ist: »Zu viele Fehler, zu wenig Zielstrebigkeit«, fasste Krösche sehr treffend diese sehr ernüchternden 90 Minuten zusammen.

Eintracht Frankfurt hat dieses Spiel ja nicht verloren, weil der VfL Wolfsburg so viel besser gewesen wäre. Die stark ins Straucheln geratenen Niedersachsen beschränkten sich weitgehend darauf, ihren Strafraum besenrein zu halten und die Bälle nach vorn zu schlagen, wo Max Kruse gesucht wurde, der damit schon irgendetwas Vernünftiges anfangen werde. Ein eher schlichtes Konzept, doch es reichte an diesem Nachmittag, ein komplett harmloses Frankfurter Team locker in Schach zu halten.

Die Gastgeber offenbarten alte Schwächen. Gegen tiefstehende Gegner tun sie sich so unglaublich schwer, wenn Daichi Kamada, wie an diesem Samstag, nichts Schlaues einfällt, und Filip Kostic, den Glasner nur bei 80 Prozent verortete, 60 Minuten auf der Bank sitzt - und sich der Coach dann nach seiner Einwechselung eine kleine Spitze gegen den Serben nicht verkneifen mochte: »Mit ihm sind wir nicht torgefährlicher geworden.« Und auch zuvor hatte niemand im weiten Oval das Gefühl, dass ein Frankfurter Tor in der Luft hätte liegen können. Es mangelte komplett an Durchschlagskraft, an Zielstrebigkeit und an jenem Punch, den Glasner in der vergangenen Trainingswoche noch bei seinem Team gespürt haben wollte. Ein einziger gefährlicher Schuss war in den eineinhalb Stunden auf das Wolfsburger Tor abgegeben worden, Jesper Lindström war nach einem Solo übers halbe Feld an Torwart Koen Casteels gescheitert. Es gab dann noch ein paar Halb- bis Viertelchancen - das war alles. Viel zu wenig, um die massierte, groß gewachsene Wolfsburger Hintermannschaft in Verlegenheit zu stürzen.

Im Grunde wurde viel zu sehr quer und zurück gespielt, die Offensivkräfte kamen nie zu Abschlüssen und wenn doch einmal, dann trauten sie sich einen Schuss nicht zu, spielten lieber noch einmal quer oder traten über den Ball. Dazu kam: »Unsere Offensivspieler waren nicht dort, wo es zählt.« Die Strafraumbesetzung der Hessen war nicht besonders dicht, die Anspiele und - meist ungenauen - Flanken blieben in aller Regeln an Wolfsburger Beinen hängen.

Erstaunlich war aber diese spielerischer Armut der Hausherren schon. Ein vernünftiges, strukturiertes Aufbauspiel gab es kaum, es dauerte ewig, bis die Eintracht nach vorne spielte, flüssige Kombinationen waren absolut rar gesät. Es kann doch nicht sein, dass ohne den Strategen Makoto Hasebe kaum Impulse nach vorne gesetzt werden.

Dass sein Vertreter Martin Hinteregger, der erneut wahrlich keinen guten Tag erwischte und beide Gegentore durch Kruse (28.) und Dodi Lukebakio (90+3.) verschuldete, mit der Spieleröffnung überfordert sein würde, war klar. Aber von Djibril Sow, Kamada oder auch Evan Ndicka und Tuta hätte schon mehr kommen müssen, ein bisschen mehr an Initiative, an Druck und Verve. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Außenbahnspieler - Danny da Costa und Christopher Lenz - offensiv nicht ihre Stärken haben, die Flügel hingen somit schlaff herab.

Die Frage ist auch: Wieso ist die ganze spielerische Sicherheit, die die Mannschaft noch am Ende der Hinrunde ausgezeichnet hat, wie verflogen? Diese Selbstverständlichkeit hatte sich die Elf doch im November, Dezember mühsam erworben und erarbeitet. Nichts mehr davon ist zu sehen. Wo ist die Idee, der Plan, das Besondere?

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