1. Startseite
  2. Sport
  3. Sportmix

Pleiten, Pech und Pannen beim DFB

Erstellt: Aktualisiert:

Es läuft, man muss das leider mal wieder so sagen, nicht ganz rund beim Deutschen Fußball-Bund. Jüngst währte die Freude bei einer ganzen Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht lange, als sie auf ihren Gehaltskonten exorbitante Überweisungen ihres Arbeitgebers entdeckten. Bald mussten sie aber erkennen, dass es keinen Grund für Jubel, Trubel und Heiterkeit gab.

Denn der Verband schickte dem vielen Geld in aller gebotenen Eile ein Schreiben hinterher, in dem er darauf verwies, dass sowohl das Monatsgrundgehalt als auch das Weihnachtsgeld versehentlich doppelt ausgezahlt worden waren. Der DFB verlangte den zu viel gezahlten Betrag »unverzüglich« zurück. Wasser auf die Mühlen des im Streit geschiedenen Ex-Präsidenten Fritz Keller, der der Buchhaltung jüngst eine glatte fünf ausgestellt hatte.

Pleiten, Pech und Pannen: Auch die geplante und von Direktor Oliver Bierhoff im Oktober öffentlich angekündigte Abschaltung der WhatsApp-Konten aller mit einem Handy ausgerüsteten DFB-Angestellten (»Weil alle Daten in die USA wandern«) klappte nicht wie geplant zum 1. November. Die Verbandsleute benutzen den Messengerdienst auch im Dezember fröhlich weiter.

Irritationen gab es darüber hinaus just Ende vergangener Woche: Mitglieder der Ethikkommission waren alles andere als amüsiert über die Pressearbeit der nach dem Rücktritt von Mirjam Berle seit Mai ohne Führung befindlichen Mediendirektion. Dort arbeiten viele engagierte, sympathische und fleißige Menschen, die guten Grund haben, sich in diesem schwer erziehbaren Verband nicht darum zu reißen, der netten, aber überforderten Berle zu folgen.

Wahl am 11. März

Jedenfalls mokierten sich die Ethiker darüber, dass der DFB lediglich über die Einstellung eines Verfahrens gegen den Interimspräsidenten Rainer Koch informiert habe. Es habe die Information gefehlt, so hieß es in einem Schreiben der Ethiker an ausgewählte Medien, »dass Dr. Koch ein Hinweis erteilt wird, dass das festgestellte Verhalten unethisch gewesen ist und im Wiederholungsfall eine Anklageerhebung erfolgen kann«. Es ging in der Angelegenheit darum, dass Koch im Mai die inzwischen nach England abgewanderten Ex-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb unabgesprochen und ein wenig eilfertig in ein Telefongespräch mit einem »Sportbild«-Journalisten zugeschaltet hatte.

Und all die Misslichkeiten wurden auch nicht recht dadurch kompensiert, dass eine Straßenbahnhaltestelle im Frankfurter Stadtteil Niederrad statt »Rennbahnstraße« seit Freitag »DFB-Campus« heißt - ein gutes halbes Jahr vor der auch wegen der Corona-Krise verspäteten Fertigstellung des Vorzeigebaus schon.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit haben sich derweil die beiden Präsidentschaftskandidaten für die Wahl zum neuen Verbandsoberhaupt am 11. März 2022 den 21 Landesverbänden vorgestellt. Sowohl Bernd Neuendorf als auch Peter Peters boten ihr Programm in Powerpoint-Präsentationen virtuell dar. Peters verschickte seine Folien sodann an die Medien, Neuendorf tat das nicht. Der Präsident des Landesverbandes Mittelrhein konnte sich stattdessen über eine Veröffentlichung nach der Konferenz seiner 20 Amtskollegen von Nord bis Süd freuen, die den 60-Jährigen in einer Pressemitteilung einstimmig (bei einer Enthaltung aus Westfalen) als »Vorschlag für den neu zu wählenden DFB-Präsidenten« vorstellten.

Gegenkandidat Peters kritisierte das Votum prompt: »Die Konferenz hat weder ein Vorschlagsrecht für ein Amt noch kann sie das Wahlverfahren festlegen. Das obliegt dem Bundestag entsprechend Satzung und Geschäftsordnung. Es wird aber zunehmend ein anderer Eindruck vermittelt, was ich demokratisch für schwierig halte.« Der 59-Jährige stellt zudem klar, dass er seinem derzeitigen Co-Interimschef Koch kritisch gegenübersteht. Es müsse dem deutschen Fußball gelingen, »verloren gegangenes Vertrauen in allen Gremien der UEFA wiederherzustellen«. Heftige Kritik an UEFA-Exekutivmitglied Koch.

An diesem Dienstag um 11.30 Uhr nun treffen sich die 36 Bundesligaklubs im Frankfurter Flughafenhotel zur Mitgliederversammlung. Der Lizenzfußball betrachtet die Vorgänge im DFB seit jeher argwöhnisch. Jetzt muss er aber erst einmal die eigene Zukunft managen und ist dabei schon weiter als der DFB: Am 1. Januar startet Donata Hopfen als Nachfolgerin von Christian Seifert in der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga. Ihr soll der Dortmunder Klubchef Hans-Joachim Watzke als Aufsichtsratschef zur Seite gestellt werden. Man darf gespannt sein, was der keinesfalls konfliktscheue Watzke über den DFB zu sagen hat. JAN CHRISTIAN MÜLLER

Auch interessant