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Pöbelnder Haaland

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(dur). Am Ende brannten dem Koloss aus Norwegen dann alle Sicherungen durch. Wie King Kong trommelte sich der Dortmunder Stürmer Erling Haaland auf die Brust, griff sich provozierend und obszön ans Gemächt und brüllte seinen 25 Zentimeter kleineren Widerpart Rafael Borré von der Frankfurter Eintracht gleich fünf-, sechsmal in dessen Landessprache an:

»Que pasa?« Was ist los? So, als wolle er den Kolumbianer zum Duell Mann gegen Mann herausfordern. Eintracht-Angreifer Borré hatte die Tormaschine zuvor mehrfach in die Hacken getreten, bevor er ihn endgültig fällte. Nicht die feine englische Art. Da war, kurz vor Spielschluss und mit der bitteren Niederlage vor Augen, auch eine Menge Frust mit im Spiel.

Haaland war für die Frankfurter schon zuvor zum roten Tuch geworden. Nach dem Treffer zum 2:2 ließ er sich auf ein Gerangel samt Verbalinjurien mit Eintracht-Abwehrchef Martin Hinteregger ein. »Fuck you! Fucking idiot!«, schrie er in Richtung Hinteregger. Purer Trashtalk, auf dem Platz nicht unüblich, aber eben doch deplatziert und auch ungehörig - und in einem fast menschenleeren Stadion natürlich gut zu hören. BVB-Trainer Marco Rose kommentierte lakonisch: »Ich kann und will nicht sagen, wer Schuld hat. Wir sind alle unversehrt davongekommen.«

Bei Haaland hatte sich trotz des Dortmunder Comebacks einiger Ärger aufgestaut, denn der in den Rang eines Fußballgotts gehobene Profi bot eine sehr irdische, denkbar matte Vorstellung. Der 21-Jährige fiel lange nur durch Lamentieren, abfällige Gesten und Lustlosigkeit auf - ehe er in den letzten Minuten aufdrehte und seinen Anteil am BVB-Sieg hatte. Und doch: Mit dieser Einstellung ist der vorgebliche Wunderstürmer nicht die Offenbarung für Borussia Dortmund.

Die Westfalen freuten sich unbändig über diesen wichtigen Sieg, Trainer Rose sah in dem Dreier den verdienten Lohn dafür, dass sein Ensemble nie aufgesteckt habe. »Das sollte den Jungs zeigen, dass sich Haltung am Ende auszahlt.« Interessant ist das schon, denn es hatte sich nicht angedeutet, dass der BVB dieses Spiel würde drehen können.

Natürlich war er überlegen, weil fußballerisch besser, aber nicht wirklich zwingend oder wild entschlossen. Es war eher die zurückweichende Eintracht, die die gleichförmige Borussia aufbaute. Gegen einen anderen Kontrahenten eines anderen Kalibers hätte das für die spielerisch ansprechende Dortmunder Borussia eher nicht mehr zum Sieg gereicht. Nun die große Trendwende auszurufen und die ewige Mentalitätsdebatte zu begraben - das erscheint angesichts dieser Leistung in Frankfurt mutig und vorschnell. In die eigene Tasche sollten sie sich in Dortmund besser nicht lügen.

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