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Quo vadis, Sebastian Vettel?

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Trügerisch: Sebastian Vettel (r.) und seine Pressesprecherin Britta Roeske haben momentan kaum Grund zur Freude. © IMAGO

Wenn es doch nur so wie früher wäre. Sebastian Vettel, ein Siegfahrer. Es begann mit einem Team, das nur 20 Kilometer von Imola seinen Sitz hat. Die Gegenwart sieht nicht gut aus, die Zukunft ist offener denn je.

Sebastian Vettel kennt die Gegend um das Autodromo Enzo e Dino Ferrari. Er kennt sie bestens. Er hat sehr gute Erinnerungen daran. In Faenza ist der Sitz des Teams, mit dem Vettel seinen ersten Sieg in der Formel 1 feierte. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Aus Toro Rosso ist mittlerweile Alpha Tauri geworden, aus Vettel ein viermaliger Weltmeister. Ein 53-maliger Grand-Prix-Gewinner, der den letzten seiner Erfolge in einem Ferrari feierte. Aber lange ist das her.

Und während für Ferrari die Zeit des sportlichen Dahindarbens zu Ende scheint, die Tifosi vor dem Heimrennen in der Emilia Romagna von roten Festspielen an diesem Wochenende träumen, wirkt Vettels Rückkehr an einen bekannten Ort wie eine leidvolle Erinnerung an einstigen Ruhm. Und was noch schlimmer ist: Im Gegensatz zu Ferrari, das den mittlerweile 34-Jährigen äußerst unelegant ausgemustert hatte, geht Vettels Formkurve mit Aston Martin weiter nach unten.

Die Mängelliste nach dem desaströsen Großen Preis von Australien war lang. Das Auto ist langsam, es ist schwierig zu fahren. »Es gibt viele Sachen, die wir verbessern wollen, aber wir haben die Lösungen dafür noch nicht«, sagte Vettel. Ehrlich, ernüchternd.

Er musste sich mit seiner Leistung zudem in die Fehleraufzählung einreihen. Crash im Training, Crash im Rennen. »Er will einfach nicht einsehen, dass das Auto nicht schneller geht. Er fährt dann zu schnell und fliegt raus«, sagte der ehemalige Formel-1-Pilot Marc Surer dem Portal »formel1.de«: »Wenn er merkt, dass das Auto nicht schneller wird, sehe ich schwarz.«

Dass Vettel wegen einer Corona-Infektion die ersten beiden Rennen verpasst hatte, dürfte für den Kennenlernprozess mit dem AMR21 nicht förderlich gewesen sein. In Imola wird für weiteres Abtasten auch kaum Gelegenheit sein. Das Programm ist stramm. Nur ein Training, dann am Freitag schon die Qualifikation. Am Samstag steht das erste Sprintrennen der Saison an. Und Vettel freut sich. »Ich bin gespannt, wie das wird«, sagte er.

Überhaupt ist Imola, das erst 2020 wieder in den Rennkalender nach 14 Jahren zurückkehrte, eine Strecke ganz nach Vettels Geschmack. Ein Test für Fahrer und Auto - »und so sollte jeder Formel-1-Kurs sein«, betonte er. Mit den aktuellen Autos auf dem Kurs zu fahren, sei auch wie eine kleine Zeitreise in die 1980er, »was cool ist«, meinte Vettel.

Cool bleiben wird auch er müssen. Niederlagen zu ertragen, ist für Vettel zu einem notwendigen Muss geworden. Im September 2019 feierte Vettel seinen bis jetzt letzten Sieg, in Singapur war das. Statt großer Erfolgsgeschichte wurde aus der Ferrari-Beziehung ein sportliches Missverständnis.

Vettels Abschied stand weit vor dem Saisonende 2020 fest. Ferrari holte Carlos Sainz. An diesem Donnerstag gab die Scuderia die Verlängerung der Zusammenarbeit mit dem 27 Jahre alten Spanier bekannt.

Bis 2024 wird der aktuelle WM-Dritte zunächst zusammen mit dem aktuellen WM-Führenden Charles Leclerc für Ferrari fahren. Und Vettel? Dem riet jüngst sogar der ehemalige Teamgründer und aktuelle Präsident des Autodromo Enzo e Dino Ferrari, Giancarlo Minardi: Er solle in Rente gehen. »Er hat viel Geld, er hat Titel geholt, aber er wird nicht mehr gewinnen«, sagte er der italienischen Zeitung »Corriere della Sera«.

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