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Ruf nach Umdenken wird laut

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Der bemerkenswerte Auftritt von Gladbachs bisherigem Sportchef Eberl am Freitag führte auch am Wochenende noch zu großen Diskussionen im Profi-Fußball. Der frühere Chef der Deutschen Fußball-Liga fordert ein Umdenken - hin zu mehr Gesundheitsbewusstsein.

Die dramatischen Worte von Max Eberl zu den Gründen seines Rücktritts als Sportchef bei Borussia Mönchengladbach hallten auch am Wochenende nach. Längst ist eine Debatte über Druck und den Umgang mit Menschen im Profi-Fußball entbrannt. Lauter wurde dabei auch Kritik an der Vereinsführung der Borussia um Präsident Rolf Königs (80). Den Vorwurf der Empathielosigkeit wies Gladbachs Vize-Präsident Rainer Bonhof am Sonntag indes entschieden zurück.

Demnach habe Eberl zwar bereits im Oktober angedeutet, sich nach 13 Jahren als Sportchef gerne zurückziehen zu wollen. Dass er sich dem Druck aber nicht gewachsen fühle und keine Kraft mehr habe, habe er der Führung erst am Donnerstag offenbart.

»Für uns war das dann eine Überraschung des Härtegrades«, sagte Bonhof im Sport1-«Doppelpass«: »Da haben wir dann gesagt, wir müssen das ernst nehmen.«

Eberl hatte bemerkenswert offen über seine Nöte gesprochen. »Ich habe keine Kraft mehr, diesen Job so auszuüben, wie es der Verein benötigt«, hatte der 48-Jährige ausgeführt. »Ich will einfach raus, ich will einfach mit diesem Fußball gerade nichts zu tun haben. Ich will Spaß haben. Ich will Max Eberl sein.«

Der ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Andreas Rettig (58), hat nach dem Rücktritt von Gladbachs Manager Max Eberl ein Umdenken in der Gesellschaft gefordert. »In meinen Augen sind die Arbeitgeber verpflichtet, ihre Arbeitnehmer auch einmal in den Zwangsurlaub zu schicken. Es muss ein Umdenken erfolgen, dass Urlaube oder Auszeiten nicht als Schwäche gesehen werden. Gerne heißt es ja dann: Der brennt nicht mehr, ist faul. Dabei ist gerade das verantwortungsbewusst«, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des Drittligisten Viktoria Köln mit dem Sonntags-Express.

Er habe »Hochachtung für diesen Schritt« von Eberl, so der erfahrene einstige Bundesliga-Manager: »Der Fußball ist gläsern, jeder spricht mit, hat seine Meinung. Es herrscht eine permanente psychische Belastung, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Montag bis Freitag ist ein Manager im Büro gefordert, Samstag/Sonntag ist Spielbetrieb, dann beginnt wieder die neue Woche.«

Rettig sieht allerdings einen Bewusstseinswechsel. »Zum einen findet im Manager-Bereich ein Verjüngungsprozess statt«, äußerte er, »Rudi Völler, Michael Zorc werden bald ihre Jobs beendigen. Das ist auch ein Ergebnis der Belastungen. Je älter man wird, desto weniger ist man bereit, diesen Druck aushalten zu wollen.«

Außerdem seien die Zeiten »der One-Man-Show im Managerbereich« wie noch mit Uli Hoeneß, Reiner Calmund oder Rudi Assauer vorbei. »Die Verantwortung wird in vielen Vereinen auf mehrere Entscheider verteilt. Bei den Spielern gibt es die sogenannte Belastungssteuerung, in dem Bereich müssen wir auch bei Verantwortlichen umdenken«, sagte der Viktoria-Geschäftsführer. DPA/SID

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