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Schumis Förderer

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2010 beim Großen Preis von Deutschland: Michael Schumacher (l.) und Manager Willi Weber. © IMAGO

(sid). Die Geschichte ist schön, so schön, dass sie sich mittlerweile zu einer Art Legende entwickelt hat. Diese Geschichte über einen jungen Mann mit einem großen Traum und seinen findigen Manager, der 1991 tief in seine Schatulle griff und dem Rennfahrer Michael Schumacher mit Unterstützung von Mercedes den Einstieg in die Formel 1 ermöglichte. Am heutigen Freitag wird Willi Weber, der Mann, der aus dem damals 22-jährigen Schumacher den König der Rennfahrer machte, 80 Jahre alt.

In Spa 1991 begründete Willi Weber gewissermaßen auch seine eigene Legende. Im Herbst 1988 entdeckte er Michael Schumacher bei einer Nachwuchssichtung auf dem Salzburgring und verpflichtete den völlig mittellosen Formel-Ford-Vizemeister quasi vom Fleck weg für sein Formel-3-Team. 1990 holte Schumacher den Titel, aber er wollte nach ganz oben, und Weber wusste, dass er es schaffen würde. »Ich habe in Michael etwas gesehen, dass ich noch bei keinem anderen gesehen hatte«, sagte er einmal: »Dieser unbedingte Wille, dieser Ehrgeiz, diese Liebe zum Motorsport.«

Und dann also Spa. Weber quartierte sich und seinen Schützling in einer Art Stundenhotel in der Nähe der Rennstrecke ein, zum Abendessen kam der Pizzaservice. Okay, ein kleiner Trick war vonnöten gewesen, um Teamchef Eddie Jordan davon zu überzeugen, das durch die Verhaftung seines Stammfahrers Bertrand Gachot frei gewordene Cockpit diesem jungen Deutschen anzuvertrauen. »Kennt er denn die Strecke«, hatte Jordan Willi Weber gefragt. Dessen Antwort war ebenso prompt wie falsch: »Spa ist Michaels Wohnzimmer.« Tatsächlich war Schumacher noch nie zuvor auf der Berg- und Talbahn in den Ardennen gefahren.

Der Rest ist wieder Geschichte. Mehr als 20 Jahre lang war Weber als Manager an Schumachers Seite, ganz zu Beginn ihrer Partnerschaft hatte er 20 Prozent aller Karriere-Einnahmen für sich ausgehandelt. Eine ganze Menge, »Mr. 20 Prozent« nannte man Willi Weber in der Szene, aber beide profitierten enorm voneinander. Weber zog hochkarätige Verträge an Land, er fädelte den Ferrari-Deal mit ein und lebte nicht schlecht von seinem Verhandlungsgeschick. Weber ohne Schumacher, Schumacher ohne Weber - undenkbar in jenen goldenen Jahren.

Beim ersten Rücktritt im Jahr 2006 nach sieben WM-Titeln und 91 Grand-Prix-Siegen blieb Weber an Schumachers Seite, bei dessen Comeback 2010 im neuen Mercedes-Team gab er den Job an Sabine Kehm ab und zog sich weitgehend zurück. Nach Schumachers fatalem Skiunfall im Dezember 2013 riss der Kontakt zur Familie aus offiziell nie bekannt gewordenen Gründen ab. Zwei Jahre habe er darunter sehr gelitten, sagte Weber kürzlich dem »Focus«: »Inzwischen stelle ich mir vor, Michael lebt in Australien, und ich habe keinen Bezug mehr zu ihm. Ich weiß, er ist da - aber eben ziemlich weit weg.«

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