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Die Dortmunder feiern ihren 3:2-Siegtorschützen Mahmoud Dahoud (r., verdeckt), restlos bedient zeigt sich dagegen Frankfurts Filip Kostic (4. v. l.).

SGE macht Feierabend, BVB legt los

Die Frankfurter Eintracht führt bis zur 87. Minute mit 2:1 gegen Borussia Dortmund, um dann doch noch mit 2:3 zu verlieren. Unglaublich. Am Ende rächt sich der gewählte Verwaltungsmodus nach der 2:0-Führung.

Kurz vor dem sehr bitteren Ende eines »rassigen, intensiven, sehr guten Fußballspiels« (BVB-Trainer Marco Rose) ist Ajdin Hrustic aussichtsreich an den Ball gekommen. Ein paar Minuten waren noch zu spielen, die Partie stand auf des Messers Schneide und 2:2, und der Australier mit bosnischen Wurzeln verfügt über einen strammen Schuss. Er kam also an den Ball, zog mit links ab, aber der Strahl strich knapp über das Dortmunder Tor. Das wäre wieder eine nette Volte à la Eintracht Frankfurt gewesen, kurz vor Ultimo den Siegtreffer zu landen, das ist ja zu einer Spezialität der Hessen erwachsen: auf den letzten Drücker zuzuschlagen.

Dieses Mal aber ging, um im Bild zu bleiben, der Schuss nach hinten los, einige Augenblicke später lagen sich gelbe Dortmunder in den Armen, Mahmoud Dahoud hatte zum 3:2 entscheidend ins Frankfurter Tor geschlenzt, eine Minute vor der Nachspielzeit.

Es war der wirklich nicht unverdiente Schlusspunkt einer Partie, die im Grunde auch mit einem Remis leistungsgerecht hätte enden können. Der Dortmunder Sieg war sicher glücklich, weil bis zur 87. Minute die Gastgeber noch in Führung lagen, die den Sieg aber durch die Hände glitschen ließen, auch weil sie den immer stärker werdenden BVB förmlich zum Torschießen einluden, wie der bis zu seiner zu frühen Auswechselung strategisch überragende Kapitän Sebastian Rode richtig analysierte.

Hinterher gab es im Frankfurter Lager keine zwei Meinungen darüber, dass die Eintracht in diesem »Spitzenspiel« (Trainer Oliver Glasner) im Kern selbst daran schuld war an dieser unnötigen Niederlage. Aber wer praktisch nach der 50. Minute das Fußballspielen nahezu komplett einstellt und sich einzig und allein darauf fokussiert, die Partie irgendwie über die Runden zu schaukeln, darf sich nicht wundern, wenn er für diese Passivität bestraft wird - vor allem dann, wenn der Gegner ein starker ist, und Borussia Dortmund war ein starker Gegner, zumindest in der zweiten Hälfte. Ein Gegner zwar, den Eintracht Frankfurt zuvor und nach zehnminütiger Anlaufphase 50, 55 Minuten beherrscht hatte, und nach zwei Toren des flinken Rafael Borré (15. und 24.) wie der sichere Sieger aussah. Und auch als Sieger vom Platz gegangen wäre, hätten Evan Ndicka (29., Pfostenschuss) und Jesper Lindström (47.) nach feinem Tunnel gegen Emre Can nicht das 3:0 verpasst. Das war es auch, was Trainer Glasner hinterher deckelte - bei allem Lob über eine vor allen Dingen im ersten Abschnitt gerade wieder spielerisch tadellose Leistung: Dass sein Team viel zu früh in den Verwaltungsmodus geschaltet hatte, dass praktisch nicht mehr nach vorne agiert, sondern ständig quer, zurück oder Torwart Kevin Trapp angespielt wurde. Dadurch bekamen die im zweiten Halbzeit nach der Lindström-Chance dominanter werdenden Dortmunder Oberwasser. »Wir haben sie eingeladen«, fand Rode. Der BVB, der in den ersten zehn Minuten gut im Spiel war, dann bis zur 50. Minute komplett an die Wand gespielt wurde, nahm die Einladung dankend an. Die Frankfurter schafften es nicht mehr, für Entlastung zu sorgen, das viele Langholz kam postwendend zurück, »du kriegst ne Welle und noch ne Welle«, beschrieb Sportvorstand Markus Krösche diese Tatenlosigkeit der Hessen.

Das sah lange Zeit aus »wie beim Kaninchen vor der Schlange«, sagte Coach Glasner, nur: »Heute hat die Schlange zugebissen.« Die ohnehin enge Partie kippte endgültig mit der Auswechslung der beiden Aktivposten Rode und Lindström, der doch spielen konnte, weil seine im Laufe dieser Woche festgestellten Werte »im nicht infektiösen, grenzwertigen Bereich« gelegen hätten. Andererseits standen wiederum wegen ungeklärten Auffälligkeiten bei Tests Djibril Sow, Almamy Touré und Erik Durm vorsichtshalber nicht im Kader. Die also für Rode und Lindström ab der 66. Minute gekommenen Kristijan Jakic und besonders Sam Lammers konnten die beiden nicht im Entferntesten vertreten. Das von Glasner an den Tag gelegte Vertrauen in Lammers hat sich als kontraproduktiv erwiesen.

Spitzenspiele, sagte Glasner hinterher, »entscheiden Kleinigkeiten«. Kurz darauf unterlief Hinteregger ein kapitaler Bock, den Thorgan Hazard zum 1:2-Anschluss nutzte, der BVB hatte endgültig »Blut geleckt« (Rode). Angesichts Frankfurter Zurückhaltung kamen die Dortmunder zum Ausgleich durch Jude Bellingham (87.) und durch Dahouds 3:2 (89.) noch zum nicht mehr erwarteten Sieg. »Wir haben in der zweiten Halbzeit komplett kopflos gespielt«, urteilte Routinier Timothy Chandler, zudem »ohne Kraft und Power.« Die vielen Rückpässe und die defensive Herangehensweise hatten sich gerächt und dem BVB in die Karten gespielt.

Torschützen unter sich: Frankfurts Rafael Borré (l.) und Dortmunds Mahmoud Dahoud.

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