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Shiffrin furios

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(sid). Ski-Königin Mikaela Shiffrin schien es fast ein bisschen peinlich zu sein, als ihr nach dem wilden Ritt in die Geschichtsbücher eine goldene Krone auf das Haupt gesetzt wurde. Die 27-Jährige zupfte sich verlegen ihre blonden Haare zurecht und lächelte tapfer. Dabei war die Schüchternheit der größten Skirennläuferin der Historie völlig unbegründet, die inoffizielle Krönung am Kronplatz vielmehr vollauf verdient.

Mit unglaublichen 83 Weltcup-Siegen sicherte sich Shiffrin beim Riesenslalom in den Dolomiten die alleinige Bestmarke - ein Fabelrekord! »Ich hatte ein bisschen Angst vor diesem Tag«, gestand sie unmittelbar nach ihrem Triumph, »weil ich fürchtete, dass meine Gefühle verrückt spielen würden.« Ihre Emotionen verbarg sie da noch hinter einer dicken, goldfarbenen Sonnenbrille.

Die Tragweite ihrer Heldinnentat wurde Shiffrin nur langsam bewusst. »Es fällt mir schwer, Worte zu finden«, meinte die US-Amerikanerin, nachdem sie durchgeatmet und die klobige Brille abgelegt hatte. Der Renntag sei »stressig« gewesen, sie selbst »nervös«. Die Aufregung, berichtete sie etwas blass um die Nase, »war zu viel, um es wirklich fühlen zu können«. Jetzt aber »versuche ich einfach, es zu genießen«.

Sie hatte allen Grund dazu: Shiffrin übertraf die einstige Speed Queen Lindsey Vonn (USA), die bis zu ihrem Rücktritt 2019 82 Siege eingefahren hatte. »Wahnsinn, das ist eine wahnsinnige Zahl«, schwärmte die einstige Riesenslalom-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg am Eurosport-Mikrofon, »um das in Relation zu setzen: Sie hat 18-mal allein im Riesenslalom gewonnen, ich 19-mal überhaupt.«

Bei der Siegerehrung erhielt Shiffrin standesgemäß eine Goldmedaille. Ihre Haare hatte sie zu zwei Zöpfchen geflochten - ganz wie bei ihrer Siegpremiere am 20. Dezember 2012 im schwedischen Are. Shiffrin küsste ihren Ski, bei der US-Hymne schloss sie - frisch zu Mikaela I. gekrönt - die Augen und ließ den Moment auf sich wirken.

Auch ihr Freund Aleksander Aamodt Kilde verneigte sich. »Diese Zahl ist unglaublich«, sagte der dominierende Abfahrer der Saison aus Norwegen, »sie ist eine brillante Athletin.« Das bekam die Konkurrenz abermals zu spüren: Ihr Vorsprung auf die Schweizerin Lara Gut-Behrami betrug nach zwei Laufbestzeiten stolze 0,45 Sekunden. »Das ist schon eine Hausnummer«, meinte Rebensburg: »Sie hat es total clever angelegt. Da waren so coole Schwünge dabei, mit einer exzellenten Technik.«

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