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Schiedsrichter Nicolas Winter spricht mit Osnabrücks Aaron Opoku (r.). Nach einer ersten Unterbrechung bricht der Schiedsrichter später das Spiel ab.

Solidarität mit Opoku

Nach dem Eklat von Duisburg erreicht den Osnabrücker Aaron Opoku eine Welle der Unterstützung. Der deutsche Fußball setzt starke Zeichen gegen Rassismus.

Aaron Opoku ist nicht allein. Ob Rekordmeister Bayern München, sein Jugendverein Hamburger SV - oder gar die gesamte 3. Liga: Der deutsche Fußball steht dem Profi des VfL Osnabrück in seinen wohl schwersten Stunden bei. Während am Tag nach dem Rassismus-Eklat von Duisburg die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, überflutet den Mittelfeldspieler mit ghanaischen Wurzeln eine Welle der Solidarität. Der erste Spielabbruch im deutschen Profifußball könnte als Statement gegen Rassismus zukunftsweisend sein.

Es sei nun endlich »die Zeit gekommen«, um härter durchzugreifen, sagte DFB-Integrationsbotschafter Jimmy Hartwig dem SID: »Ich bin immer für die Leute da, will immer mit den Leuten sprechen. Ich versuche eigentlich alles immer friedlich zu regeln und höre den Leuten zu. Aber es gibt immer noch Menschen, die wollen nicht zuhören. Die sind für mich total verblödet.«

Laut Zeugenaussagen soll ein 55-jähriger Zuschauer »Du Affe kannst eh keine Ecken schießen!« in Richtung Opoku gerufen haben. Der Beschuldigte räumte gegenüber der Polizei offenbar ein, diesen Satz so geäußert zu haben, allerdings habe er einen anderen Spieler der Osnabrücker gemeint, der zum Eckball bereitgestanden habe. Schiedsrichter Nicolas Winter vermerkte zudem Schmähungen durch Affenlaute im Spielbericht.

»Ich war entsetzt von den Vorkommnissen«, sagte Hartwig. Die Entscheidung des Referees zum Spielabbruch in der 33. Minute finde er »hervorragend«, dazu verdiene das Verhalten der beiden Mannschaften »großen Respekt. Die haben gut reagiert und sich um den Spieler gekümmert. Das ist für mich immer das Erste, was man machen muss. Die Idioten sind erst mal zweitrangig«, betonte der ehemalige deutsche Nationalspieler. Opoku sei »fix und fertig« gewesen. »In dem Moment war für den Jungen die Welt zerstört. Dann muss man ihm zuhören, dass er rauslassen kann, was er fühlt. Das haben die Vereine auch getan«, erzählte Hartwig.

Die 3. Liga und ihre 20 Vereine posteten am Montag aus Solidarität in den sozialen Netzwerken nur Beiträge unter dem Hashtag »NoToRacism«, einige Erst- und Zweitligisten schlossen sich der Aktion an. »Wir gemeinsam gegen Rassismus. Aaron, wir stehen hinter dir«, lautete die Botschaft.

Über die Wertung des Spiels beim MSV Duisburg muss nun das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) befinden, am wahrscheinlichsten scheint eine Neuansetzung. »Der gesamte deutsche Fußball hat seit Langem eine klare und kompromisslose Haltung gegen jede Form von Rassismus. Rassisten haben in deutschen Fußball-Stadien nichts verloren«, machte DFB-Co-Interimspräsident Rainer Koch unmissverständlich klar.

Dem stimmte auch Hartwig nach den durchaus zahlreichen Vorfällen 2021 zu und forderte für die Täter ein lebenslanges Stadionverbot. Es könne »nicht so weitergehen, dass man Leute beleidigt und mit übelsten Schimpfrufen die Menschenwürde infrage stellt«, sagte der 67-Jährige: »Solche Menschen sollten nie wieder ein Fußball-Stadion betreten. Zumindest bis sie einsichtig sind, mit einer Entschuldigung kommen und Sozialstunden in einem Flüchtlingsheim erledigt haben. Das wäre meine Idee.«

Auch Belgien hat einen Rassismusskandal im Fußball. Vincent Kompany, Trainer von RSC Anderlecht und früherer Profi des Hamburger SV, ist gemeinsam mit einigen Mitarbeitern und Spielern des Vereins während der Erstliga-Partie bei Meister FC Brügge (2:2) beleidigt und beschimpft worden. Sie seien als »schwarze Affen und was auch immer« bezeichnet worden, sagte Kompany der belgischen Tageszeitung »Het Laatste Nieuws«. Im TV-Sender Eleven sagte Kompany: »Dieser Tag endet traurig, ich bin angewidert. Mein Staff und ich wurden während des gesamten Spiels beleidigt.«

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