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Spektakel auf Betzenberg

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Traumeinstand: Der neue RB-Trainer Marco Rose herzt Mohamed Simakan (l.). © IMAGO

(sid/dpa). Tabellenführer SC Paderborn und der Hamburger SV setzen sich in der 2. Fußball-Bundesliga langsam von der Konkurrenz ab. Während der SCP nach dem besten Zweitliga-Start der Klubgeschichte weiter an der Spitze thront und der HSV nur einen Punkt dahinter lauert, ließ die Konkurrenz Federn.

Wie der Dritte 1. FC Heidenheim beim 0:0 am Samstag beim Karlsruher SC kam auch Darmstadt 98 als Vierter beim turbulenten 3:3 (1:0) beim 1. FC Kaiserslautern am Sonntag nicht über ein Unentschieden hinaus. Paderborn setzte sich am Samstag 3:0 (1:0) gegen Jahn Regensburg durch, der HSV am Freitag 3:2 (1:0) bei Holstein Kiel.

Die seit acht Pflichtspielen ungeschlagenen Darmstädter sahen nach Toren von Tobias Kempe per Foulelfmeter (45.+2) und Phillip Tietz (49.) wie der sichere Sieger aus. Doch Kenny Prince Redondo (74./87.) und Mike Wunderlich (77., Foulelfmeter) drehten das Spiel beim Spektakel auf dem Betzenberg. Aaron Seydel (90.+1) sicherte 98, das wie Heidenheim drei Punkte Rückstand auf den HSV und vier auf den SCP hat, immerhin noch das Remis. »Wir liegen eine halbe Stunde vor Schluss mit 2:0 in Führung, das müssen wir nach Hause bringen«, sagte Lilien-Torschütze Tietz bei Sky: »Wir können uns am Ende mit dem Punkt glücklich schätzen, aber es fühlt sich trotzdem scheiße an.« Lautern-Chefcoach Dirk Schuster bilanzierte: »Das war eine intensive Partie, die auch ein bisschen wild und für den neutralen Zuschauer sicher richtig geil zum Anschauen war. In der 2. Liga werden Fehler prompt bestraft.«

Entsetzen in Fürth

In Hamburg winkt Coach Tim Walter nach dem gelungenen Start ein neuer Vertrag. »Er macht hervorragende Arbeit«, sagte Sportvorstand Jonas Boldt, »er identifiziert sich mit Haut und Haaren mit dem Verein.« Stadtrivale FC St. Pauli kam auch im vierten Spiel nacheinander nicht zum erhofften Erfolg und gegen den SV Sandhausen nur zu einem 1:1 (1:0). David Kinsombi (71.) glich die Führung von Paulis Jackson Irvine (38.) aus.

Im Kellerduell mit der SpVgg Greuther Fürth feierte der 1. FC Magdeburg nach sechs vergeblichen Anläufen einen erlösenden 2:1 (1:1)-Sieg. Last-Minute-Neuzugang Cristiano Piccini (38.) und Moritz-Broni Kwarteng (86.) trafen. Für Bundesliga-Absteiger Fürth, das keines seiner neun Pflichtspiele in dieser Saison gewann, war Damian Michalski (42.) erfolgreich.

»Es ist super unbefriedigend, wie wir auftreten. Wir haben keine Zweikämpfe geführt, geschweige denn gewonnen. Das ist erschreckend. Das war gar nichts, das war einfach nur schlecht. Das muss ich erstmal verdauen und sacken lassen. So wie die Mannschaft aufgetreten ist, war das eine Nichtleistung«, schimpfte Fürths Sportdirektor Rachid Azzouzi.

(sid). Nach 20 Minuten des Wartens erlöste Marco Rose die Fans von RB Leipzig. Ein lautstarker Block hatte auf den Tribünen bis weit nach Spielschluss die Rückkehr des Trainers auf den Rasen gefordert - bis Rose um 17.40 Uhr nachgab. Unter »Marco Rose«-Sprechchören ließ sich der neue Coach des DFB-Pokalsiegers für den Traumstart in seiner Heimatstadt zögerlich am Spielfeldrand feiern.

Ganz geheuer war ihm der rasche Personenkult nicht. »Es ist schön, aber nicht der Zeitpunkt, sich nach dem ersten Spiel mega feiern zu lassen«, sagte Rose nach dem souveränen 3:0 (2:0) in der Fußball-Bundesliga gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund. Ein Heiland, nein, das sei er keinesfalls: »Ich habe keine Hand aufgelegt. Ich bin kein Zauberer.« Etwas Magisches hatte sein Einstand in Leipzig aber dennoch. RB war vier Tage zuvor in der Champions League gegen Schachtar Donezk (1:4) untergegangen. Am Mittwoch folgte die Entlassung von Domenico Tedesco, am Donnerstag übernahm Rose. Am Samstag spielte RB Leipzig wie ausgewechselt. »Intensität, Mentalität und Energie.« So umschrieb Dominik Szoboszlai, Schütze des Traumtores zum zwischenzeitlichen 2:0 (45.), den Auftrag, den Rose seiner Mannschaft mitgegeben hatte. Szoboszlai und der Rest des Teams um die weiteren Torschützen Willi Orban (6.) und Amadou Haidara (84.) hauchten ihm Leben ein.

Unter Rose kehrte die verloren gegangene RB-DNA ins Spiel zurück. Offensiv und ansehnlich soll es in Leipzig zugehen. Rose kennt die Philosophie im RB-Kosmos. Vor seiner Zeit beim BVB und Borussia Mönchengladbach war er sechs Jahre in verschiedenen Funktionen bei RB Salzburg tätig. In Gesprächen rief Rose seinen Spielern vor dem Spiel die alten Tugenden ins Gedächtnis. »Die Jungs haben das im Tank. Sie wissen, wie es geht«, sagte Rose: »Dementsprechend sind sie aufgetreten. Das sollte uns Lust auf mehr machen.« Mehr erwartet Rose und RB und schon am Mittwoch. Dann steht das Gastspiel bei Real Madrid in der Champions League (21 Uhr/DAZN) an. Die Sorge vor einem Debakel beim Titelverteidiger ist nach dem Erfolg gegen den BVB der Vorfreude gewichen.

Auch für Rose ist es ein Highlight, nachdem es gegen Dortmund bereits emotional wurde. Bis zum Ende der Vorsaison trainierte er den BVB noch selbst. Es sei ein »spezielles Spiel« gewesen, gestand Rose. Edin Terzic, seinen Nachfolger in Dortmund, und seine Ex-Spieler herzte Rose nach dem Abpfiff. Getröstet musste bei den Schwarz-Gelben aber niemand werden. Dortmund übte Selbstkritik. Terzic: »Es war keine gute Leistung und eine verdiente Niederlage.«

(dpa). Die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt sind mühelos ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Der Bundesligist gewann sein Zweitrundenspiel beim fränkischen Regionalligisten SV Weinberg am Sonntag mit 7:0 (3:0).

Sjoeke Nüsken (3., 63.), Lara Prasnikar (18.), Laura Freigang (37.), Shekiera Martinez (49.), Geraldine Reuteler (62.) und Virginia Kirchberger (67.) erzielten die Tore. Am Freitag steht für die Hessinnen der Saisonauftakt in der Bundesliga gegen Bayern München an.

(sid). Keine Gier, kein Hunger, keine Effizienz: Diesen FC Bayern wird Rückkehrer Robert Lewandowski gnadenlos bestrafen - nach dem schlechtesten Saisonstart in der Fußball-Bundesliga seit zwölf Jahren schlug Thomas Müller Alarm. »Ich habe eine ganz schöne Krawatte und bin sauer auf uns selbst«, schimpfte der Ur-Münchner, »ich bin bedient.«

Vor dem brisanten Wiedersehen mit Lewandowski am Dienstag (21 Uhr/Prime Video) in der Champions League gegen den FC Barcelona herrscht dicke Luft bei den bayerischen Remis-Königen. Beim ernüchternden 2:2 (1:0) gegen den weiter sieglosen VfB Stuttgart fehlte der letzte Biss - und ein Torgarant wie der Weltfußballer. »Wir müssen zwei Gänge höher schalten, gegen Barcelona sogar drei«, forderte Sportvorstand Hasan Salihamidzic und mahnte: »Barcelona hat Topspieler, spielt guten Fußball, Lewa ist vorne, er nutzt jede Möglichkeit. Wir sind gewarnt.« Die Probleme lassen sich nach dem dritten Unentschieden in der Liga hintereinander nicht mehr wegdiskutieren. »Wir hatten nicht die Schlüssel«, sagte Matthijs de Ligt über das chaotische Offensivspiel. Allerdings war es der Abwehrchef, der dem VfB mit seinem unglücklichen Foul am starken Stuttgarter Stürmer Serhou Guirassy dessen Elfmeter-Ausgleich zum Endstand (90.+2) ermöglichte.

»Wir müssen verstehen, dass, wenn wir jedes Spiel gewinnen wollen, wir auch in den letzten zehn Minuten bis ans Letzte gehen müssen. Wir haben etwas hergeschenkt«, polterte Müller, jeder Einzelne müsse sich hinterfragen. Kapitän Manuel Neuer und Wortführer Joshua Kimmich verweigerten jedweden Kommentar. Die Gemengelage ist explosiv, auf der Tribüne blickten Vorstandschef Oliver Kahn und Ehrenpräsident Uli Hoeneß säuerlich. Und Julian Nagelsmann? Der Trainer reagierte nach der »gefühlten Niederlage« ungewohnt schmallippig - und übte Kritik an der Offensive. »Ich hätte mir mehr Power gewünscht«, sagte er, »es war zu wenig Gier nach vorne.« Im Abschluss habe die Qualität gefehlt - und »Lewa«? Diese Frage holt die Bayern immer mehr ein, zumal der Pole auch bei Barca trifft und trifft. Beim 4:0 in Cadiz erzielte er sein neuntes Pflichtspieltor im sechsten Spiel und bereitete einen Treffer vor.

Für die auf sechs Positionen veränderten Bayern trug sich Ausnahmetalent Mathys Tel mit 17 Jahren und 136 Tagen als jüngster Startelf-Debütant und Torschütze (36.) in die Münchner Bundesligahistorie ein. »Das war ein Lichtblick«, sagte Salihamidzic. Jamal Musiala (60.) traf nach dem 1:1 durch Chris Führich (57.) zur erneuten Führung, die Guirassy spät konterte. Der Rekordmeister hatte sogar Glück, dass Guirassys erster Treffer (51.) nach Führichs Trikotzupfer gegen Kimmich zurückgenommen wurde.

Trotzdem fehlen den Münchnern sechs fest eingeplante Punkte - »mindestens vier zu viel«, wie Salihamidzic spitz anmerkte. Für Grundsatzdebatten oder Sorgen sei ohnehin nicht der Zeitpunkt, »es ist noch früh in der Saison. Die Jungs wissen selber, dass das nicht gereicht hat.«

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Thomas Müller, hier in der Diskussion mit Dayot Upamecano, hat »eine ganz schöne Krawatte« und kritisiert den Auftritt seines FC Bayern beim 2:2-Remis gegen Stuttgart. © IMAGO

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