Sportwoche unter der Lupe: Verbands-Wirrwarr

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Hallo, liebe Leserinnen und Leser! In der Vorwoche bemängelte ich noch an dieser Stelle fehlende Erläuterungen und Auslegungshinweise zu den im Bundesinfektionsschutz-Gesetz aufgeführten Regeln. Zu Wochenbeginn gab es dann die von vielen Trainern ersehnten Hinweise, nachdem sich Sportfachverbände und Sportministerkonferenz ausgetauscht hatten. Zumindest ist nun klar, welche Trainingsform bei welchen Inzidenzen aktuell erlaubt ist.

Das hilft aber oftmals noch nicht wirklich weiter, denn wir sind noch meilenweit entfernt von Mannschaftstraining, wenn man einmal die Ballsport-Arten als Beispiel nimmt.nMeilenweit entfernt von der 3. Liga sind jene hessischen Handball-Oberligisten der Frauen und Männer, die sich für mögliche Aufstiegsspiele gemeldet hatten und dementsprechend schon allein hinter den Kulissen eine Menge Vorarbeit hatten. Da mussten die Bedingungen des Deutschen Handball-Bundes schon vor den erhofften Aufstiegsspielen erfüllt werden, da mussten auch finanzielle Bürgschaften gegenüber dem DHB belegt werden und vieles mehr. In unserem Bundesland hatte der Hessische Handball-Bund in seiner Vorstandssitzung beschlossen, dass Aufsteiger zwingend sportlich ermittelt werden müssen, und sei es bei den zwei gemeldeten Frauen-Teams zur Not in nur einem Spiel gegeneinander. Bei sechs Männer-Teams kam indes nur eine wie auch immer geartete Aufstiegsrunde infrage. Doch dazu müsste in allen (!) betroffenen Mannschafts-Standorten spätestens ab 14. Mai Training in der Halle mit Körperkontakt zugelassen sein. So der jüngste Beschluss des HHV. Wohl gemerkt in allen. Wenn nur ein Männer- oder Frauenteam nicht ab 14. Mai dementsprechend trainieren kann, dann gibt es weder für Männern noch Frauen Aufsteiger in die 3. Liga. Versuche von Vereinen, analog den Drittligisten eine Ausnahmegenehmigung fürs Hallentraining zu erhalten, waren übrigens nicht von Erfolg gekrönt. Die 3. Liga gilt also als Profiliga und darf trainieren, die Aufstiegskandidaten indes nicht. Das wäre alles noch nachvollziehbar, wenn es nicht bundesweit völlig unterschiedliche Vorgehensweisen der Handball-Landesverbände geben würde. Zum Beispiel Baden-Württemberg (HBW): Dort entschieden sich vier Männerteams zur Teilnahme an einer möglichen Aufstiegsrunde, die nun nicht stattfindet. Zwei Aufsteigertickets gab es. So entschied der HBW, dass die Vereine unter sich eine Rangfolge festlegen sollten, wer aufsteigen sollte. Platz eins wurde klar an den TSV Neuhausen/Fildern vergeben, Platz vier an den TV Bittenfeld II. Die SG Köndringen/Teningen und die TSG Söflingen konnten sich nicht einigen über Platz zwei und drei. Und so wurde im HBW der zweite Aufsteiger in die 3. Liga per Losverfahren ermittelt: Es wurde Söflingen. In anderen Landesverbänden wurden Aufsteiger beispielsweise bestimmt. Absolut nicht nachvollziehbar, was da abgeht. Es erinnert an den Länder-Wirrwarr in Sachen Pandemiebeschränkungen. Föderalismus ergo auch im deutschen Handball, aber für die Sportler und Vereine sind die unterschiedlichen Handlungsweisen einfach nicht mehr nachvollziehbar. Der DHB hätte sich klar positionieren müssen, als er pro Männer und Frauen bis zu zwölf Aufsteigerplätze in die 3. Ligen zusagte, und entsprechend die Aufstiegsbedingungen benennen müssen. Andererseits hätten sich auch die Landesverbände abstimmen können. All das ist aber leider nicht geschehen.nWenigstens eine Entscheidung ist für die Zukunft des Handballs in Hessen richtungsweisend gefallen. In den Oberligen der Aktiven und Jugend darf ab der kommenden Saison wieder mit Haftmitteln gespielt werden, sodass vielleicht mittelfristig der eklatante Leistungsabstand zu anderen Landesverbänden verringert werden kann. Allerdings ist die Haftmittelnutzung freiwillig und nicht wie ab 3. Liga fest vorgeschrieben. So wird es einen Flickenteppich geben in der kommenden Saison. nEin Team mit Lücken? Während bislang in unseren aktuellen Blickpunkten die Fußballfunktionäre doch recht positiv gestimmt waren für die kommende Saison, was das spielende Personal angeht, so gab es in unserer Freitagausgabe erstmals eine sehr kritische Stimme. Christian Bös, Sportlicher Leiter der SG Eintracht Feldberg, sieht viele Spieler abgewandert zu anderen Sportarten oder bei ganz anderen familiären Tätigkeiten an Wochenenden. Er bezweifelt stark, dass alle Spieler zurückkehren werden, wenn die Vorbereitung nach langer Pandemiepause wieder beginnt. Ich bin gespannt, was die Vereine diesbezüglich im Sommer melden werden.nIch wünsch Ihnen allen ein schönes Wochenende!

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