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Karl Geiger belegt in Bischofshofen nach Halbzeitführung den dritten Platz.

VIERSCHANZENTOURNEE IN ZAHLEN

4. Station in Bischofshofen

Karl Geiger fliegt beim Tournee-Finale in Bischofshofen knapp am Tagessieg vorbei und wird Dritter. Der Japaner Ryoyu Kobayashi holt sich zwar das große Geld und den zweiten Goldenen Adler, dafür aber nicht den ersehnten Geschichtsbucheintrag.

4. Springen: 1. Daniel Huber (Österreich) 286,8 Punkte (136,5+137m), 2. Halvor Egner Granerud (Norwegen) 282,4 (136,5+136), 3. Karl Geiger (Oberstdorf) 281,9 (140,5+132), 4. Yukiya Sato 281,1 (139,0+ 134,5), 5. Ryoyu Kobayashi (beide Japan) 277,8 (133,5+133,5), 6. Robert Johansson (Norwegen) 277,7 (133,0+135), 7. Jan Hoerl (Österreich) 275,3 (130,0+136), 8. Markus Eisenbichler (Siegsdorf) 275,2 (133,0+134), 9. Lovro Kos (Slowenien) 273,6 (132,0+ 144), 10. Marius Lindvik (Norwegen) 271,5 (126,0+139), 17. Constantin Schmid (Oberaudorf) 255,7 (130,5+130), 23. Pius Paschke (Kiefersfelden) 245,1 (130,5+126), 25. Stephan Leyhe (Willingen) 242,4 (130,0+124,5), 33. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 119 (124,0), 46. Severin Freund (Rastbüchl) 106,7 (121,5).

Tournee-Endstand: 1. Ryoyu Kobayashi 1162 Punkte, 2. Lindvik 1138, 3. Granerud 1128, 4. Geiger 1124, 5. Eisenbichler 1118, 6. Johansson 1108, 7. Kos 1093, 8. Hoerl 1076, 9. Huber 1070, 10. Sato 1065, 11. Leyhe 1022, 25. Schmid 755, 29. Paschke 707, 31. Andreas Wellinger 619, 33. Freund 608.

Karl Geiger absolvierte trotz des verpassten Happy Ends gefasst den Interview-Marathon, während hinter ihm das Feuerwerk für den japanischen Tournee-Kaiser Ryoyu Kobayashi den Himmel über Bischofshofen hell erleuchtete: Mit einem verpatzten letzten Sprung hatte Geiger den Tagessieg beim Finale der 70. Vierschanzentournee nach Halbzeit-Führung noch aus der Hand gegeben, der Skiflug-Weltmeister musste sich am Dreikönigstag mit dem dritten Platz begnügen.

»Der zweite Sprung ärgert mich ein bissl, es war aber ein guter Wettkampf. Speziell der erste Sprung war wirklich saugut, den nehme ich mit«, sagte Geiger am ARD-Mikrofon: »Mit dem Podium so abschließen zu dürfen, ist wirklich etwas Besonderes.«

Dem Japaner Kobayashi reichte beim ersten Weltcupsieg des Österreichers Daniel Huber indes ein fünfter Rang, um sich zum zweiten Mal nach 2018/19 den Goldenen Adler und eine Prämie in Höhe von 100 000 Franken (rund 96 000 Euro) zu sichern. Der 25 Jahre alte Weltcup-Spitzenreiter verpasste beim traditionsreichen Schanzen-Spektakel allerdings den historischen zweiten Grand Slam. »Ich freue mich, dass ich den goldenen Adler gewonnen habe. Ich bin total glücklich«, sagte Kobayashi, wie gewohnt kurz angebunden. Der 25-Jährige untermauerte beim letzten Saisonhöhepunkt vor den Olympischen Spielen in Peking (4. bis 20. Februar) dennoch eindrucksvoll seine Favoritenrolle.

Geiger hatte nach einem Satz auf 140,5 m im ersten Durchgang in Führung gelegen, der Oberstdorfer landete nach einem verspäteten Absprung zum Tournee-Abschluss aber nur bei 132,0 m. Damit blieb er in der Gesamtwertung Vierter. Kobayashi stellte mit insgesamt 1162,3 Punkten vor den Augen des fünfmaligen Tournee-Rekordsiegers Janne Ahonen (Finnland) einen weiteren Rekord auf. Zweiter wurde der Norweger Marius Lindvik (1138,1) vor seinem Landsmann Halvor Egner Granerud (1128,2).

»Es ist immer ein bisschen bitter«, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher über Geiger: »Es geht weiter, er hat sich sehr gut präsentiert. Die Tournee ist nicht hundertprozentig so gelaufen, wie wir das wollten.« Markus Eisenbichler landete mit Sprüngen auf 133,0 und 134,0 m auf Platz acht und musste sich in der Gesamtwertung mit dem fünften Rang begnügen. Die deutschen Hoffnungsträger müssen 20 Jahre nach dem letzten Tourneesieg von Sven Hannawald weiter warten. Im Vergleich zu Kobayashi fehlte es den DSV-Adlern im Tournee-Verlauf an Konstanz, den perfekten Sprüngen und teilweise auch am nötigen Windglück. Geiger war zum Auftakt in Oberstdorf als Fünfter in Schlagdistanz geblieben, verlor allerdings in Garmisch-Partenkirchen wegen Rückenwindes entscheidende Meter. Eisenbichler verpasste beim Neujahrsspringen derweil als Zweiter um 0,2 Punkten oder umgerechnet elf Zentimetern den Sieg. Zuvor hatte der sechsmalige Weltmeister allerdings als Siebter in Oberstdorf geschwächelt.

Horngacher darf zufrieden sein

Die windbedingte Absage des Bergisel-Springens in Innsbruck, das die Gesamtwertung unter Umständen durcheinandergewirbelt hätte und stattdessen im vom Wind geschützteren Bischofshofen nachgeholt wurde, kam den deutschen Überfliegern bei der »Dreischanzentournee« auch nicht entgegen. Der erhoffte Angriff nach ganz vorne blieb aus. Horngacher durfte mit der Leistung seiner Mannschaft rückblickend trotzdem zufrieden sein. Stephan Leyhe meldete sich nach einem Kreuzbandriss stark zurück, auch Team-Weltmeister Severin Freund und Olympiasieger Andreas Wellinger etablierten sich mit guten Ergebnissen im Weltcup-Team.

Das DSV-Team wird jedenfalls in Bischofshofen bleiben, bereits am Wochenende geht es mit einem Einzel- sowie Teamwettbewerb auf der Paul-Außerleitner-Schanze weiter.

(dpa). Linus Straßer schüttelte im Zielraum den Kopf, sein Schweizer Rivale Luca Aerni tippte sich mit dem Finger an die Stirn. 19 der 61 geplanten Starter hatten sich beim Slalom in Zagreb schon den ramponierten Hang heruntergequält, ehe das Rennen am Donnerstag abgebrochen wurde.

Die Piste sei zu weich, entschied der Weltverband Fis. Der Torlauf hätte ursprünglich am Mittwoch stattfinden sollen, war wetterbedingt aber auf Donnerstag verlegt worden. Doch der Schnee hielt den Temperaturen nicht stand. Was besonders Straßer ärgern dürfte, der die nationale Olympia-Norm noch nicht geknackt hat.

»Die Entscheidungen in den letzten zwei Tagen waren wirklich komisch«, sagte der frustrierte Norweger Henrik Kristoffersen der ARD. »Die Bedingungen der Piste sind nicht gut. Das ist heute nicht besser als gestern.« Alles sei ein »Chaos jetzt«. Zumal der alpine Ski-Tross zügig nach Adelboden (Schweiz) weiterreisen muss, wo schon am Wochenende die nächsten zwei Technikrennen der Herren anstehen.

Straßer, der als einziger von insgesamt fünf deutschen Athleten schon im Ziel war, lag zum Zeitpunkt des Abbruchs auf Rang neun - 2,16 Sekunden hinter dem führenden Weltmeister Sebastian Foss-Solevaag aus Norwegen. »Es hat sich angefühlt, als wäre ich als 60. nach unten gefahren und nicht als 14.«, sagte der Sportler vom TSV 1860 München. Dennoch hatte er eine durchaus solide Vorstellung gezeigt und eine klare Leistungssteigerung gegenüber den vergangenen beiden Slaloms in Val d’Isère und Madonna di Campiglio, bei denen er sich - geschwächt von einem Magen-Darm-Infekt und einer Erkältung - jeweils nicht für den zweiten Lauf qualifiziert hatte.

Um ein Ticket für die nahenden Winterspiele in Peking (4. bis 20. Februar) zu lösen, muss man im Laufe der Weltcup-Saison zweimal in die Top 15 oder einmal in die Top 8 fahren.

Der französische Olympia-Dritte Victor Muffat-Jeandet brach sich bei einem Sturz auf der kaum fahrbaren Piste den Knöchel, wie sein Team am Nachmittag mitteilte.

(sid). Franziska Preuß? Mit einer Fußverletzung außer Gefecht. Denise Herrmann? Zuletzt von einer hartnäckigen Erkältung zurückgeworfen. Die größten deutschen Medaillenhoffnungen gehen mit Sorgen ins Olympiajahr. Über der Leistungsfähigkeit der deutschen Biathletinnen beim Heimweltcup in Oberhof (11.30 und 14.15 Uhr/ARD und Eurosport) stehen deshalb große Fragezeichen, die anfangs kritisch beäugten Männer werden es wohl richten müssen. Denn die sind trotz des Rücktritts von Frontläufer Arnd Peiffer auf dem Weg zurück in die Weltspitze.

»Jeder dachte, dass wir in ein Riesenloch fallen. Uns wurde nichts zugetraut«, sagte Bundestrainer Mark Kirchner: »Wir haben gezeigt, dass wir zu Sieg- und Spitzenleistungen fähig sind. Damit hat sicherlich keiner von außen gerechnet.« Der Sensationssieg von Johannes Kühn im Sprint von Hochfilzen sei die »Zündung« gewesen, führte der 51-Jährige aus. In Annecy schafften es vor der Weihnachtspause gleich vier verschiedene Athleten in die Top Ten.

»Es ist Potenzial vorhanden«, so Kirchner: »Wir haben aktuell aber keinen wirklich kompletten Athleten, der in beiden Teilbereichen kontinuierlich Spitzenleistungen abliefert. Deshalb ist es ein Auf und Ab. Wenn die Komplexleistung passt, sind wir international konkurrenzfähig.« Das sei zu diesem Zeitpunkt des Generationswechsels schon mal »sehr positiv«.

An der fehlenden Konstanz werde sich in diesem Winter »nichts mehr groß ändern«, prophezeite der Bundestrainer: »Viele Athleten sind in einer Phase, in der sie sich die Konstanz antrainieren müssen.« Über Jahre ein Wackelkandidat war Kühn, das Stehendschießen wirkte wie eine unüberwindbare Baustelle. Nachdem er im zweitklassigen IBU Cup in die Saison startete, wirkt sein Aufstieg innerhalb weniger Wochen fast schon märchenhaft. »Es ist sicher noch Luft im Stehendschießen. Aber er hat die Ausfälle mit drei, vier Fehlern minimiert. Das lässt einen optimistisch in die Zukunft blicken«, lobte Kirchner. Kühn selbst sieht sich trotz fünf Platzierungen unter den besten 15 noch nicht in der absoluten Weltspitze. Er sei kein »Emilien Jacquelin oder Johannes Thingnes Bö, die so oft gewinnen«, sagte der 30-Jährige.

Das ist auch Lokalmatador Erik Lesser nicht. Während vier seiner Kollegen schon die Olympia-Norm erfüllt haben, steht der Wahl-Oberhofer vier Wochen vor Peking unter Zugzwang. »Ich möchte die zweite Hälfte der Olympianorm erreichen«, gab der 33-Jährige als Marschroute aus.

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