1. Startseite
  2. Sport
  3. Sportmix

Stolzer Vater

Erstellt:

imago1020768191h_241222_4c
Linus Straßer hat sich als Slalom-Dritter in Madonna di Campiglio in die kurze Weihnachtspause verabschiedet. © IMAGO

(sid). Linus Straßer hatte es eilig. Siegerehrung, ein Jubelfoto mit der Mannschaft, die Ausrüstung einpacken - und dann ab nach Hause. Von Madonna di Campiglio im Trentino bis nach Kirchberg in Tirol sind es gut 300 Kilometer, das ist kein Vergnügen mitten in der Nacht. Straßer dürfte das allerdings nichts ausgemacht haben: Es ging heim zu Frau Maria und dem erst ein paar Tage alten Töchterchen, und mit einem dritten Platz im Slalom auf der »Canalone Miramonti« fuhr es sich zusätzlich leichter.

Straßer jedenfalls stieg beschwingt ins Auto. Zum ersten Mal im Leben Papa, dann zum ersten Mal in dieser WM-Saison auch gleich auf dem Podest neben dem Sieger Daniel Yule aus der Schweiz und Henrik Kristoffersen aus Norwegen: Der 30 Jahre alte gebürtige Münchner platzte beinahe vor vorweihnachtlichem Glück. »Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so stolz auf mich gewesen bin, es ist unglaublich schön«, sagte er und ergänzte frohgemut: »Ich freue mich jetzt auf die ruhigen Tage daheim mit Frau und Baby.«

Die Geburt der Tochter hat Straßer in Madonna offensichtlich beflügelt. Fast zwei Wochen zuvor, beim ersten Slalom der Saison im französischen Val d’Isere, war er lediglich auf Rang 13 gefahren. Allerdings war er da mit dem Kopf, der gerade im Slalom so wichtig ist, nicht so ganz bei der Sache. Die vergangenen Wochen seien »nicht so leicht« gewesen, sagte er der »Süddeutschen Zeitung«, da er »immer auf Abruf für die Geburt« war: »In der Zeit war es nicht leicht, den vollen Fokus aufs Skifahren zu richten.«

Dass Straßer jederzeit mindestens aufs Podium in einem Slalom fahren kann, ist keine neue Erkenntnis. Was dem einzigen deutschen Weltcup-Sieger der vergangenen beiden Winter fehlte, war die Konstanz: zwei gute Läufe in einem Rennen - daran haperte es. Auch in Madonna musste sich Straßer zunächst ärgern. Als Dritter des ersten Laufs kam er im Finale auch nur als Dritter ins Ziel, allerdings: Loic Meillard (Frankreich) schied aus, und Spitzenreiter Lucas Braathen (Norwegen) fiel auf Rang vier zurück.

Straßer war happy, aber er wusste auch, dass sogar mehr drin gewesen wäre. »Es hat«, sagte er, »leider nicht zum Sieg gereicht, aber trotzdem ...« Trotzdem durfte er zufrieden sein und auch etwas erstaunt über sich selbst. »Eigentlich«, sagte der Olympiazweite und WM-Dritte mit der Mannschaft, »ist mir der Speed abgegangen, den man für ganz vorne braucht.« Das dachte er zumindest - aber weit gefehlt. »Manchmal«, stellte Straßer fest, »muss man sich den«, also den Speed, »eben im Rennen holen.« Das klappte vorzüglich. Und macht viel Hoffnung für den Slalom-Monat Januar. Der beginnt mit einem Flutlichtrennen am 4. Januar in Garmisch-Partenkirchen.

Auch interessant