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Unter Ausschluss

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Hermetisch abgeriegelt: Die Olympioniken sind vom Gastgeberland China weitgehend abgeschnitten und leben in einer Blase. © IMAGO

Vorbeugung gegen Corona steht im Mittelpunkt der Olympischen Winterspiele in Peking. Vor allem will sich China selbst vor einem Einschleppen des Virus schützen. Die Sportler sind so abgeschirmt wie noch nie.

Unter strengen Vorsichtsmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie sind die olympischen Dörfer für die Winterspiele in Peking offiziell eröffnet worden. Mehr als 360 Sportler und Teammitglieder aus mehr als 20 Ländern sollen die Unterkünfte zur Eröffnung am Donnerstag beziehen, berichtete das chinesische Staatsfernsehen. Seit vergangener Woche waren allerdings auch schon Athleten und Vorausdelegationen eingetroffen und eingezogen.

Virusprävention und Kontrolle seien »die wichtigsten Aufgaben« des Managements in den Dörfern, sagte der Direktor des Verwaltungsteams, Shen Qianfan. Für die Winterspiele, die am 4. Februar eröffnet werden, gibt es drei Olympia-Dörfer an den jeweiligen Wettkampfstätten. Sie verteilen sich auf die Hauptstadt, das 75 Kilometer entfernte Yanqing und das 180 Kilometer vor den Toren Pekings liegende Zhangjiakou.

Die Unterkünfte ähneln wie die Austragungsorte jeweils Hochsicherheitszonen. Sportler und Teammitglieder dürfen sich nur in hermetisch »geschlossenen Kreisläufen« (Closed Loops) bewegen - sind damit von ihrem Gastland weitgehend abgeschnitten. Es geht dabei weniger darum, die Olympia-Teilnehmer vor Infektionen von außen zu schützen. Vielmehr soll es verhindern, dass das Virus durch die ausländischen Gäste nach China eingeschleppt wird.

Während die Pandemie in anderen Ländern gerade Höhepunkte erreicht, verzeichnet das bevölkerungsreichste Land der Welt gegenwärtig nur einige Dutzend Infektionen pro Tag. Die Gesundheitskommission meldete am Donnerstag landesweit 25 lokale Infektionen, davon fünf Fälle in der 20-Millionen-Metropole Peking. Mit strikten Maßnahmen wie Ausgangssperren für viele Millionen Menschen, Massentests, Kontaktverfolgung und Zwangsquarantäne hat China das Virus schon seit mehr als eineinhalb Jahren weitgehend im Griff.

Dafür hat sich China auch weitgehend vom Ausland abgeschottet. Es gibt kaum internationale Flüge. Visa werden nur in Ausnahmefällen erteilt. Die wenigen Einreisenden müssen normalerweise drei Wochen in ein Quarantänehotel, was geimpften Olympia-Teilnehmern erspart bleibt. Dafür können sie sich aber nur in der olympischen Blase bewegen, werden in abgeschirmten Shuttle-Bussen vom Athletendorf zur Wettkampfstätte transportiert, müssen täglich getestet werden.

Keine Kontakte

Das Gleiche gilt für Tausende chinesische Mitarbeiter in den Olympia-Dörfern. Sie sind nach chinesischen Angaben alle geboostert, wohnen in ähnlich isolierten Unterkünften in der Nähe und bewegen sich auch nur in gesonderten Bussen. Kontakte nach außen seien »nicht möglich«, beteuern die Organisatoren.

In Peking werden 2300 Athleten und Betreuer untergebracht, in Yanqing 1400 Teilnehmer, während Zhangjiakou das größte Dorf mit rund 2700 Betten hat. Die Virusprävention geht weit über das hinaus, was die Teilnehmer an den Sommerspielen in Japan erlebt haben, wo die olympische Blase durchaus Löcher hatte. »Es muss allen klar sein, dass es hier nicht wie in Tokio ist«, sagte ein europäischer Diplomat, der mit den Sicherheitsmaßnahmen vertraut ist.

Zuschauer aus dem Ausland sind auch nicht zugelassen. Zudem werden in Peking die Karten nicht frei verkauft, sondern nur amtlich verteilt, um etwaige Infektionen unter Kontrolle zu haben. Auf den Zuschauerrängen werden somit vor allem Mitarbeiter von Staatsbetrieben und Studenten von Universitäten in Peking sitzen.

Dafür müssen sie geboostert sein, zwei negative PCR-Tests mit einem Abstand von 24 Stunden innerhalb von 96 Stunden nachweisen. Auch dürfen Zuschauer in den zwei Wochen vorher nicht irgendwo gewesen sein, wo es Infektionen gegeben hat. Die Kartenvergabe derart zu kontrollieren, »reduziert im großen Maße die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs«, zitierte die parteinahe »Global Times« einen chinesischen Epidemiologen. Sonst sei es schwer, Zuschauer nachzuverfolgen.

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