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Viel Glas und viel Transparenz

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Blick auf das neue Hallen-Kunstrasenspielfeld. © JCM

Gleich hinter dem Haupteingang an der Kennedyallee lauert eine fiese Stolperfalle. Denn noch fehlt die passgenaue Fußmatte in der Einbuchtung zum Foyer des neuen DFB-Campus. Eigentlich hatte sein Erfinder Oliver Bierhoff stolz durch das 150-Millionen-Euro-Projekt auf 150 000 Quadratmetern führen wollen. Doch oh weh: Der Topmanager des Deutschen Fußball-Bundes musste sich, heimgesucht vom Coronavirus, mit belegter Stimme und bleichem Gesicht per wackliger Videobotschaft aus dem heimischen Refugium vom Starnberger See melden.

Nicht ohne zu vergessen, noch matt mitzuteilen: Bei der neuen Heimat des DFB an der alten Frankfurter Galopprennbahn handele es sich um einen »Quantensprung«.

Also mal über die noch fehlende Fußmatte hineingehüpft in diesen Quantensprung, der am 30. Juni mit einer großen Feier eröffnet werden soll. Schon jetzt sitzen aber eine ganze Menge Mitarbeiter in den luftigen Büros, die Verwaltung ist bereits weitgehend aus den alten Gemäuern am Stadtwald in der Sackgasse der Otto-Fleck-Schneise 6 die gut zwei Kilometer rübergezogen in die Kennedyallee 274. Bald soll es wieder Präsenzpflicht geben im DFB.

Hier und dort hängen noch Kabel aus den Decken, den Wänden oder krabbeln aus dem Boden. Es wird gehämmert und gebohrt. Aber trotz Corona hängen die Arbeiten nur wenig mehr als ein halbes Jahr hinterher. Das kann sich sehen lassen.

Sehen lassen können sich auch die drei Rasenplätze, vor Kurzem noch braune Erde, jetzt schon grünes Gras, die von der Frauen-Nationalmannschaft zur Vorbereitung auf die EM Anfang Juni eingeweiht werden. Der DFB ist damit im 122. Jahr der Verbandsgeschichte erstmals im Besitz eigener Fußballplätze. Weshalb er folgerichtig einen eigenen Greenkeeper angestellt hat. Beeindruckend ist auch das große, volle 105 Meter lange und 68 Meter breite Hallen-Kunstrasenspielfeld. Komplett winterfest, wenngleich aus Energie- und Kostengründen nicht beheizbar. Gut so!

Bis zu 600 Menschen können auf dem neuen DFB-Campus arbeiten. Es gibt viel Glas, viel Großraum, viel Transparenz, viel freien Blick auf die Trainingsplätze. Das Motto des Gebäudes laut Akademiechef Tobias Haupt: »Der Sport kommt durchs Haus.« Und weil zum Fußballsport mehr gehört als bloß Rennen und Grätschen, gibt es drei Saunen und zwei Entmüdungsbecken sowie 33 Doppelzimmer zum Übernachten. Zu wenig für die Nationalmannschaft allerdings. Die geht weiter ins Hotel und bezieht dort Einzelzimmer.

Ein paar Problemchen sind noch zu lösen. So fehlt es etwa noch an Holz aus Russland, das zur Veredelung eigentlich in die Ukraine gehört hätte. Und ja, auch die Fußmatte am Eingang muss noch gelegt werden. JAN CHRISTIAN MÜLLER

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