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Von Corona gebeutelte Hertha ist chancenlos

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Der überragende Marco Reus (l.) leitet mit dem 1:0 den Kantersieg seiner Dortmunder Borussa ein. Chancenlos ist Gladbachs Keeper Yann Sommer. © IMAGO

Borussia Dortmund hat sich den Frust von der Seele geschossen. Beim furiosen 6:0 gegen Borussia Mönchengladbach überragt Marco Reus.

(sid). Hertha BSC schlittert nach dem Wirbel um Investor Lars Windhorst auch sportlich immer tiefer in die Krise. Die kurzfristig durch sechs weitere Coronafälle stark dezimierte Mannschaft von Trainer Tayfun Korkut kam gegen RB Leipzig mit 1:6 (0:1) böse unter die Räder. Nach nun sechs Spielen ohne Sieg in der Fußball-Bundesliga wird der Druck im Abstiegskampf für die Hertha auf Rang 15 immer größer.

Benjamin Henrichs (20.), Christopher Nkunku (64., Foulelfmeter/67.), Dani Olmo (74.), Amadou Haidara (82.) und Yussuf Poulsen (88.) trafen für Leipzig. Stevan Jovetic erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich (48.) für die Berliner, die nach der Roten Karte für Marc Oliver Kempf (62., Notbremse) in Unterzahl agierten.

RB mischt mit 37 Zählern weiter im engen Rennen um die Champions League mit und liegt punktgleich vor der TSG Hoffenheim und dem SC Freiburg auf dem begehrten Platz vier. Die Berliner trennt hingegen weiterhin nur ein Zähler von Relegationsrang 16.

Kurz vor der Partie musste Hertha erst einmal einen Corona-Schock verdauen: Jurgen Ekkelenkamp, Maximilian Mittelstädt, Kevin-Prince Boateng, Marvin Plattenhardt, Lukas Klünter und Dong-Jun Lee fehlten neben Niklas Stark und Suat Serdar aufgrund positiver Tests.

Für Unruhe hatte in den Tagen zuvor bereits Investor Windhorst mit seiner harschen Kritik an der Klubführung der Hauptstädter gesorgt. Korkut hatte vor der Partie jedoch betont, sich auf das Sportliche zu fokussieren: »Wenn wir mit guter sportlicher Leistung dazu beitragen können, dass sich das alles entspannt«, sei er der »Erste, der vorausgeht«.

Die Berliner ließen sich durch den Rückstand nicht entmutigen und so gelang der Ausgleich durch Jovetic. Hertha spielte weiter mutig auf, beide Teams suchten den Weg nach vorne. Dann sah Kempf allerdings die Rote Karte nach einer Notbremse an Nkunku, der den anschließenden Elfmeter verwandelte und die Führung wenig später ausbaute. Olmo legte nach, Hertha ging unter.

Den strömenden Regen und peitschenden Wind spürte Marco Reus nicht mehr. Der überragende Kapitän von Borussia Dortmund klatschte nach seinem Gala-Auftritt erleichtert mit Lizenzspielerchef Sebastian Kehl ab und genoss nach dem furiosen 6:0 (2:0) gegen Borussia Mönchengladbach den Jubel der Fans. Zwei Tore, drei Vorlagen - beim Sieg für die Seele riss Reus den BVB aus der Lethargie und verschaffte auch seinem Trainer Marco Rose nach der Europa-League-Blamage gegen Glasgow wieder Ruhe.

»Wir mussten wieder eine Reaktion zeigen. Das haben wir heute wieder geschafft«, sagte Reus bei DAZN: »Wir haben es phasenweise sehr gut rausgespielt. So müssen wir in jedem Spiel auftreten. Wir haben unser Selbstvertrauen zurückgeholt.«

»Ich bin zufrieden mit dem Spiel, der Ergebnis und der Leistung. Das war mal wieder die richtige Reaktion. Konstanz ist der nächste Schritt, den wir gehen wollen. Es geht darum, dass wir für den Verein, die Fans und den Erfolg Woche für Woche alles investieren«, sagte Rose nach dem Spiel. Sein Pendant auf Gladbacher Seite, Adi Hütter, war natürlich alles andere alsbegeistert:: »Eine schwere Niederlage, wobei das Spiel erst ab der 70. Minute in eine Richtung gegangen ist, die schärfstens zu kritisieren ist.

Mit dem Kantersieg pflegte das Team von Trainer Marco Rose am Sonntagabend seinen Ruf als launische Diva und sammelte Mut für das Rückspiel am Donnerstag in Schottland. Der BVB festigte den zweiten Tabellenplatz und bleibt bei sechs Punkten Abstand einziger Verfolger von Spitzenreiter FC Bayern.

Als Konsequenz aus dem unansehnlichen Auftritt gegen Glasgow hatte BVB-Coach Marco Rose seine Startelf auf drei Positionen verändert. Leidtragende waren die zuletzt schwachen Axel Witsel und Julian Brandt. Dieser Umbau verlieh dem Team mehr Schwung. Bereits nach sechs Minuten war die Führung nahe, als Gladbach-Keeper Yann Sommer bei seinem platzierten Fernschuss des ins Team gerückten Giovanni Reyna prächtig reagierte.

Reus (26.), der so gerne zum 1:0 trifft, tat dies vor 10 000 Zuschauern auch gegen seinen langjährigen Verein. Dank dreier Glanzparaden des überragenden Dortmunder Schlussmannes Gregor Kobel stand es nach dem zweiten BVB-Tor durch Donyell Malen (32.) nicht 2:3, sondern 2:0. »Wir hatten drei riesige Chancen. Da müssen wir mindestens ein Tor machen. Die zweite Halbzeit war sehr unreif«, klagte Gladbachs Nationalspieler Jonas Hofmann.

Auch das Glück half dem BVB: Hofmann scheiterte am Lattenkreuz (62.). Bei Marius Wolfs 3:0 (70.) jubelte der verletzte Erling Haaland in der VIP-Loge ausgelassen mit. Youngster Youssoufa Moukoko (74.) setzte nach der dritten Reus-Vorlage einen drauf. Reus (81.) und Emre Can (90.+1, Foulelfmeter) machten das halbe Dutzend voll.

Gladbach steht vier Punkte vor dem Relegationsplatz 16, der BVB sechs hinter dem Münchner Spitzenreiter. Die heimische Borussia bot diesmal auch dem Verletzungspech die Stirn: Dan-Axel Zagadou und Gio Reyna mussten früh ausgewechselt werden, es spielte eine Not-Abwehr.

Mit Wind und Regen im Rücken bemühte sich der BVB um einen frühen Sturm aufs Tor. Reyna zwang Yann Sommer mit einem Aufsetzer zur ersten Rutschpartie (7.). Die Gäste, durch das 3:2 gegen den FC Augsburg vorerst vom Abstiegskampf befreit, setzten auf Kompaktheit und lange Bälle. Sie spielten jedoch zu viele Fehlpässe und kamen erst später gut ins Kombinieren.

Das Spiel wurde intensiver und offener. Als Torhüter Sommer an der Seitenlinie klärte, bekam Raphael Guerreiro aus dem Nichts einen 35-Meter-Freischuss aufs leere Gladbacher Tor. Im Gegenzug vergab Manu Kone allein vor dem glänzend reagierenden Kobel (beides 23.). Reus erzielte kurz darauf per Abpraller sein 43. 1:0 in der Bundesliga. Unmittelbar danach parierte Kobel auch gegen Hofmann (30.) - Malen bestrafte dies erneut umgehend. Den vergebenen Gelegenheiten lief Gladbach mit wachsender Verzweiflung hinterher, erhöhte das Risiko. Alassane Plea (53.) prüfte Kobel aus der Ferne. Der BVB konnte mit Wind im Gesicht und der Führung im Rücken Umschaltfußball spielen, was ihm gelegen kam. Am Ende spielten sich die Dortmunder in einen Rausch, der Sieg war eine Befreiung.

(sid). Robert Lewandowski scherzte mit Eric Maxim Choupo-Moting und winkte auf der Ehrenrunde erleichtert ins Publikum. Die Lebensversicherung des FC Bayern hatte nach einer ganz schwachen ersten Hälfte beim 4:1 (0:1) gegen Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth wieder gute Laune. »In der zweiten Halbzeit haben wir unseren Fußball gespielt. In diese Richtung müssen wir gehen«, sagte der Doppel-Torschütze (46., 82.) bei DAZN. Bayern-Trainer Julian Nagelsmann sagte nach dem Spiel: »Wir haben in der ersten Hälfte die Power nicht so entwickelt. Wir haben dann auch noch den ein oder anderen Konter gekriegt. Die erste Halbzeit war nicht vogelwild, aber wir waren nicht gefährlich. Die 20 Minuten nach der Pause waren sehr gut.

Der Tabellenführer zeigte lange Zeit einen indisponierten Auftritt, doch nach zwei Rückschlägen in der Liga und in der Champions League konnten die Münchner nach dem Abpfiff jubeln. Branimir Hrgota brachte die tapferen Fürther vor 25 000 Zuschauern in der 42. Minute sogar in Führung. Lewandowski glich nur Sekunden nach dem Seitenwechsel für den deutschen Rekordmeister aus. Bezeichnenderweise brachte ein Eigentor von Sebastian Griesbeck (62.) die Bayern auf Siegkurs. Lewandowski legte sein 28. Saisontor nach. Choupo-Moting (90.+1) sorgte für den Endstand.

Vier Tage nach dem mageren 1:1 in der Champions League bei RB Salzburg und eine Woche nach der 2:4-Pleite in Bochum kamen die Bayern überhaupt nicht ins Spiel. In dieser Form sind die großen Ziele gefährdet. Für die Fürther, die den Münchnern einen leidenschaftlichen Kampf lieferten, bleibt die Lage trotz des jüngsten Aufwärtstrends fast aussichtslos. »Es ist schwer, die Bayern über 90 Minuten in den Griff zu kriegen. Wir wussten, dass da noch einmal eine Welle rollt«, sagte der Fürther Marco Meyerhöfer.

Julian Nagelsmann musste neben Alphonso Davies, Leon Goretzka und Manuel Neuer kurzfristig auf Kingsley Coman (muskuläre Probleme) verzichten. Zudem gab er Niklas Süle und Serge Gnabry eine Pause. Dafür rückten Dayot Upamecano, Omar Richards und Marcel Sabitzer in die Startelf. Gnabry kam aber bereits in der 25. Minute ins Spiel, nachdem sich Corentin Tolisso am linken Oberschenkel (Muskelfaserriss) verletzte und nun einige Wochen auf der Ausfall-Liste stehen wird.

Wie erwartet agierten die Bayern zunächst überlegen. Fürth hatte kaum den Ball und wartete geschickt ab. Dem Gastgeber fehlten in seinen Aktionen aber Tempo, Ordnung, Entschlossenheit und Ideen, um den gut gestaffelten Aufsteiger annähernd in Gefahr zu bringen. Viele Pässe spielten die Münchner zudem viel zu schlampig. Die SpVgg lauerte immer wieder auf Konter und hatte so auch die erste Chance des Spiels. Doch Sven Ulreich hatte mit dem Schuss von Jamie Leweling (27.) keine Mühe. Beim von Sabitzer abgefälschten Freistoß vor der Pause hatte er allerdings keine Abwehrmöglichkeit. Die Bayern wurden mit einem gellendem Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet.

Nagelsmann reagierte und brachte für Verteidiger Richards in Choupo-Moting eine Offensivkraft. Zudem stellte er auf Dreierkette um. Und es dauerte nur ein paar Sekunden bis zum Ausgleich. Nach Vorarbeit von Gnabry drückte Lewandowski den Ball über die Linie. Die Bayern schnürten die Gäste nun ein. Die Münchner benötigten aber die Mithilfe der Franken: Nach Hereingabe von Thomas Müller lenkte Griesbeck den Ball entscheidend ab. Die Bayern schalteten einen Gang zurück, Fürth kam auf. Max Christiansen (67.) und Meyerhöfer (71.) trafen den Außenpfosten. Erst nach Lewandowskis Kopfballtor war alles klar.

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Einmal mehr zeigt Robert Lewandowski, wie wichtig er für den FC Bayern ist. © IMAGO

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