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Weitere Verbände reagieren

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Markus Gisdol ist nicht länger Trainer des russischen Fußball-Erstligisten Lokomotive Moskau. © IMAGO

Der russische Sport muss die Weltbühne verlassen. Die Führer der großen Verbände knicken aber erst ein, als der von ihnen hofierte Wladimir Putin einen neuen Krieg anzettelt. Fußball-Trainer Markus Gisdol hat indes seinen Job in Moskau aufgegeben.

Sie ließen Wladimir Putin schalten und walten. Sie ließen ihm sein Staatsdoping durchgehen, viel schlimmer noch: Sie hofierten den russischen Präsidenten auch dann noch, nachdem er 2008 in Georgien einmarschiert war und 2014 die Krim annektiert hatte - was schon damals ein Verstoß gegen das Völkerrecht war. Auf die Nachsicht von Thomas Bach und den ebenso opportunistischen Gianni Infantino konnte sich Putin stets verlassen.

Erst jetzt sind auch die Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Fußball-Weltverbandes FIFA zur Besinnung gekommen. Ein brutaler Angriffskrieg gegen die Ukraine, ein Aufschrei der Weltöffentlichkeit - selbst die Führer der beiden mächtigsten Sportverbände der Welt mussten Putin nun fallen lassen. Russland ist raus. Ebenso sein Vasall Belarus. Bach hat Putin sogar den Olympischen Orden entzogen.

Für Russland und seine Sportler heißt das nun: keine Teilnahme an der Eiskunstlauf-WM, der Eishockey-WM, der Fußball-EM der Frauen usw., vor allem aber auch: keine Teilnahme an der Fußball-WM. Noch keine Entscheidung hat das Internationale Paralympische Komitee (IPC) getroffen - es will erst am Mittwoch beraten, wie nun mit den Teams aus Russland und Belarus bei den am Freitag beginnenden Paralympics verfahren wird.

Die ersten Reaktionen aus Russland auf die weltweite Ächtung waren erwartbar, der Fußballverband etwa klagte: »Die Entscheidung hat einen eindeutig diskriminierenden Charakter.« Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeigte sich in einer Stellungnahme dagegen »erleichtert, dass nunmehr auch im Einklang mit der FIFA weltweit eine gemeinsame Entscheidung getroffen worden ist.« Der FIFA-kritische Gary Lineker twitterte: »Gut gemacht, FIFA!«

Die FIFA konnte freilich nicht mehr anders. Polen um seinen Mannschaftskapitän Robert Lewandowski hatte sich geweigert, am 24. März zum Playoff-Spiel der WM-Qualifikation gegen Russland anzutreten. Tschechien und Schweden, potenzielle Gegner bei einem Sieg Russlands, hatten sich dem Boykott angeschlossen. Da konnte sich dann auch der stets wendige Infantino nicht mehr herauslavieren - der Ausschluss erfolgte sogar im Schulterschluss mit der UEFA.

Neben dem Ausschluss aus den Fußball-Wettbewerben WM oder Europapokal trifft Russland wohl der Bann in zwei anderen prominenten Sportarten besonders hart: Im Eiskunstlauf gewann Russland bei Olympia in Peking immerhin sechs von 15 möglichen Medaillen; im Eishockey, das auch Putin schon gerne und oft zur Selbstdarstellung genutzt hat, ist Russland gemeinsam mit Kanada Rekordweltmeister.

DFL und HBL: Keine Sperren für Russen

Außerhalb ihres Landes sind russische Sportler bis auf Weiteres nicht erwünscht, am Dienstag schlossen sich u. a. der Leichtathletik-Weltverband und der Rad-Weltverband UCI den Sanktionen an. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: Die Profitennisvereinigungen WTA (Frauen) und ATP (Männer) lassen russische und belarussische Spielerinnen und Spieler weiter zu, wenn auch nicht mehr unter den Flaggen ihrer Länder. Der neue Weltranglistenerste Daniil Medwedew und Co. dürfen aber weiter bei allen Turnieren inklusive der Grand Slams antreten, dies wurde am Dienstagabend verkündet. Ihre Verbände wurden hingegen vom Internationalen Tennisverband (ITF) suspendiert - Russland wird seine Titel im Davis Cup (Männer) und Billie Jean King Cup (Frauen) nicht verteidigen können.

Von sich aus gehandelt hat dagegen Markus Gisdol, der erst im Oktober den Trainerposten bei Lokomotive Moskau übernommen hatte. Er ist beim Tabellensiebten der ersten russischen Fußball-Liga zurückgetreten. »Ich kann meiner Berufung nicht in einem Land nachgehen, dessen Staatsführer einen Angriffskrieg mitten in Europa verantwortet«, sagte der 52-Jährige der »Bild«: »Das geht mit meinen Werten nicht überein.« Gisdol ist bereits zurück in Deutschland.

Keinen Einfluss hat der russische Angriff auf die Ukraine auf die Spielbetriebe der Deutschen Fußball-Liga (DFL), der Handball-Bundesliga (HBL), der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und der Volleyball-Bundesliga (VBL). Russische Spieler würden nicht für Einsätze in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga gesperrt, teilte die DFL auf Anfrage mit. »Die Frage stellt sich nicht«, sagte auch HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Asat Waliullin (Hamburg) und Gleb Kalarasch (Melsungen) könnten weiter auflaufen. Ebenso die russischen Eishockeyprofis in der DEL. Ein Sprecher der Liga bestätigte, dass sowohl die Krefeld Pinguine als auch die Adler Mannheim weiter auf ihre Spieler aus Russland bauen könnten. Krefeld wird von dem Russen Igor Zakharkin trainiert.

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