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»Wie auf einer Plantage«

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Trainer Brian Flores erhebt schwere Vorwürfe. © DPA

(sid). Scheinvorstellungsgespräche mit Bewerbern ethnischer Minderheiten, Diskriminierung in Auswahlverfahren für Führungspositionen und generell systematischer Rassismus in der NFL: Die gravierenden Vorwürfe von Brian Flores erschüttern knapp zwei Wochen vor dem Super Bowl die heile Football-Welt in den USA. Der kürzlich bei den Miami Dolphins entlassene schwarze Coach fühlt sich ungerecht behandelt - und sieht sich dabei nicht als Einzelfall.

Der vermeintliche Rassismus in der NFL wird nun zum Fall für die Justiz. Flores reichte am Dienstag bei einem Bezirksgericht im Bundesstaat New York wegen Diskriminierung eine Klage gegen drei Vereine und die Liga als Ganzes ein. Die NFL sei »in gewisser Weise rassistisch getrennt und wird wie eine Plantage geführt«, heißt es in der Anklageschrift: »Die 32 Teambesitzer - keiner von ihnen schwarz - profitieren erheblich von der Arbeit der NFL-Spieler, von denen 70 Prozent Schwarze sind.«

Jeremi Duru stufte den Fall Flores als »sehr starke« Klage ein: »Ich denke, es ist ein Wendepunkt«, sagte der Professor für Sportrecht an der American University dem amerikanischen Fernsehsender ESPN. Auslöser für die potenzielle Sammelklage ist unter anderem Flores’ Entlassung in Miami. Die Dolphins führte der 40-Jährige als erster Headcoach seit 2003 zu einer positiven Saisonbilanz - und das sogar zweimal nacheinander. Dennoch wurde er nun von seinen Aufgaben entbunden. »Die Besitzer schauen sich die Spiele aus ihren Luxuslogen in den Stadien an, während ihre mehrheitlich schwarzen Mitarbeiter jeden Sonntag ihren Körper aufs Spiel setzen, böse Schläge einstecken und heftige Verletzungen an Körper und Gehirn erleiden«, wetterten Flores’ Anwälte. Derweil würden die Liga und die Eigentümer der Teams mit dem Spektakel Millionen Dollar verdienen. Die NFL wehrte sich sogleich gegen die Vorwürfe und sprach »von Vielfalt als Kern unserer Arbeit«.

Der schwarze Coach nimmt sich neben seinem Ex-Klub auch die New York Giants und die Denver Broncos vor, bei denen er als Kandidat gehandelt worden war, den Job aber nicht bekam. Die hätten ihn lediglich zur Erfüllung der »Rooney-Rule«, wonach auch Minderheiten bei der Vergabe von Führungspositionen in der NFL interviewt werden müssen, eingeladen. Dabei seien die Stellen vor seinen Vorstellungsgesprächen jeweils schon vergeben gewesen, wie er im Nachgang erfahren habe.

Es gebe seit Jahren »Fakten und Statistiken«, die Flores’ Vorwürfe untermauern, erklärte Duru. Beispielsweise hätten schwarze Trainer im Durchschnitt kürzere Amtszeiten als weiße, Schwarze würden nach erfolgreichen Spielzeiten öfter entlassen und es sei für sie schwieriger, einen zweiten Job zu bekommen. Nun habe ein Kläger den Mut aufgebracht, »aufzustehen und ein großes Karriererisiko einzugehen«, führte der Sportrechtler aus.

Dieses Risiko geht Flores ganz bewusst ein: »Meine aufrichtige Hoffnung ist, dass sich andere anschließen«, so der frühere College-Spieler, »indem sie sich gegen systematischen Rassismus in der NFL stellen, um Veränderungen für kommende Generationen zu erreichen.«

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