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Willkommen in Europa

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Im Wechselbad der Gefühle: Kölns Trainer Steffen Baumgart zunächst nach der Niederlage gegen Wolfsburg not amused, zeigt er sich später deutlich freundlicher. © IMAGO

(dpa). Trainer Steffen Baumgart war eigentlich »nicht nach Feiern zumute«, der von den Fans auf Händen getragene Torjäger Anthony Modeste fand es »komisch, nach einer Niederlage Glückwünsche zu bekommen«: Der erst zweite Europacup-Einzug in den vergangenen 30 Jahren hätte für eine große Party beim 1. FC Köln sorgen sollen. Doch während die Fans diese entgegen aller Vorschriften und Aufrufe einfach starteten und den Platz stürmten, herrschte bei den Protagonisten nach dem 0:

1 in der Fußball-Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg eine seltsam unentschlossene Gefühlslage.

»Wenn wir verlieren, ärgert mich das. Deshalb fällt es mir ein bisschen schwer, euphorisch zu sein. Aber wenn ich auf die Tabelle schaue, bin ich innerlich doch am Grinsen«, sagte Baumgart und fasste die diffuse Gefühlswelt der Kölner gut zusammen. Mitfeiern wollte er auch am Abend nicht: »Steffen Baumgart ist tot. Oder sagen wir mal, etwas müde.«

Dass sie in dieser Spielzeit den Sprung nach Europa schaffen würden, hatte nach einer Horror-Saison inklusive Relegation und ohne nennenswerte Neuzugänge niemand für möglich gehalten. Noch nicht einmal der bei seiner Ankunft im Sommer erstaunlich mutige Trainer. Der hatte zur Überraschung vieler getönt, er wolle nicht nur gegen den Abstieg spielen und strebe Rang zwölf an. Dass er seine Ziele dermaßen übertreffen würde, davon träumte nicht mal Berufsoptimist Baumgart.

»Wenn ich vor der Saison über Europa gesprochen hätte, hätte man mich arrogant genannt«, sagte er: »Und woran ich geglaubt habe? Ich habe an die Jungs geglaubt. Aber daran habe ich nicht geglaubt. Geht ja auch nicht. Ich bin ja kein Hellseher.«

So gesehen wäre das sichere Ticket für die Conference League einen Spieltag vor dem Saisonende im eigenen Stadion ein Grund für Eskalation. Doch zu viel sprach an diesem Samstag dagegen: Die unnötige Niederlage, die überdies das Kölner Eigengewächs Yannick Gerhardt besiegelt hatte (43.) und die vorerst den möglichen Europa-League-Platz kostete.

Dazu die dadurch nötige Konzentration auf den letzten Spieltag, an dem Rang sechs aus einer nun schlechteren Konstellation noch angegriffen werden soll. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass man beim Feiern ausgerechnet dem rheinischen Rivalen Bayer Leverkusen zu Dank verpflichtet war, der beim Konkurrenten in Hoffenheim 4:2 gewann. Wobei Offensivspieler Mark Uth anmerkte: »Ich weiß nicht, ob wir uns bedanken müssen. Wir haben es schon selbst geschafft.«

Sollte auch nach dem letzten Spieltag Rang sieben stehen und die kleine Conference League, in der man sich zudem erst einmal durch Playoffs in die Gruppenphase spielen muss, bliebe bei allem Stolz über das nie für möglich Gehaltene auch ein wenig der Beigeschmack einer verpassten Chance. Der ein oder andere hatte vor Samstag sogar mit einem halben Auge auf die Champions League geschielt, die nur drei Punkte entfernt war.

»Champions League wäre überragend gewesen«, sagte Modeste: »Aber Conference League ist auch schön. Es ist trotzdem Europa. Und wir dürfen nicht übertreiben.« Und dann zog der Franzose, wie beim letzten Europacup-Einzug 2017 der Tor-Garant, ein versöhnliches Fazit eines Tages mit vielen unterschiedlichen Emotionen. »Man muss sehen, wo wir herkommen. Letztes Jahr fast abgestiegen, jetzt Europacup. Manchmal ist Fußball einfach schön.«

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