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Zu viele Bälle ins Nirwana

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Jesper Lindström und seine Eintracht-Kollegen haben auch beim torlosen Unentschieden in Leipzig viel zu viele Fehlpässe gespielt. © IMAGO

Trotz hanebüchener Pässe sieht Trainer Oliver Glasner seine Mannschaft auf dem richtigen Weg. Das Kernproblem von Eintracht Frankfurt bleibt das Spiel mit dem Ball im letzten Drittel.

Der Frankfurter Trainer Oliver Glasner wird sich den Clásico am Sonntagabend mit einiger Sicherheit nicht entgehen gelassen haben, selbst wenn er gerade erst von einer recht stressigen, aber erfolgreichen Bundesliga-Dienstreise aus Leipzig zurückgekommen war. Was er da, beim grandiosen 4:0-Triumph des FC Barcelona beim designierten spanischen Fußball-Meister Real Madrid gesehen hat, dürfte ihn beeindruckt und in der Auffassung bestärkt haben, dass Eintracht Frankfurt im Europa-League-Viertelfinale am 7. und 14. April vor den beiden aufregendsten Spielen der letzten Jahrzehnte steht. Und die Vorstellung des FC Barcelona beim ewigen Rivalen war von einer Brillanz, die einem fast den Atem rauben konnte. Wie soll die Eintracht nur gegen diese Blaugrana bestehen?

Leicht wird es nicht, aber eines weiß Glasner genau: So locker und leger, wie Real Madrid glaubte, verteidigen zu können, werden die Hessen sicherlich nicht auftreten. Denn gerade auf die Frankfurter Defensive, das hat auch wieder das torlose Remis von Leipzig gezeigt, ist einigermaßen Verlass. »Die Dreierabwehrkette hatte eine gute Abstimmung mit dem Torwart, sie stand sehr diszipliniert, war sehr präsent«, resümierte der Fußballlehrer nach der Nullnummer. Das Frankfurter Kernproblem ist aber das Spiel nach vorne ins letzte Drittel, in dem die Spiele entschieden werden. Da spielen Frankfurter Offensivekräfte zuweilen Pässe, die hanebüchen sind, ungenau, schlampig, immer wieder in die Füße des Gegners. Bestes Beispiel war Jesper Lindström. »Alles«, entfuhr es Trainer Glasner, als er am Sonntag gefragt wurde, was sein Angreifer bei seinen beiden Aktionen frei vor dem Tor alles falsch gemacht habe. Die Eintracht kommt einfach nicht zum Abschluss, beraubt sich mit »falschen Entscheidungen« (Glasner) selbst guter bis sehr guter Gelegenheiten. Und dies ist ja kein Phänomen, das erst seit Kurzem aufgetaucht sei. Was den Fußballlehrer fuchst, ist die Tatsache, dass bis zum vorletzten Pass zeitweilig »grandios« kombiniert worden sei, im entscheidenden Moment dann aber der Ball ins Nirwana gespielt wurde - auch das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison.

Null G und Vollauslastung

Genau an diesen Stellschrauben hat Eintracht Frankfurt zu drehen. Ballsicherheit, Passgenauigkeit, torgefährlicher werden - das seien die Aufgaben, die jetzt angegangen werden müssten. Zu viele günstige Gelegenheiten lassen die Stürmer achtlos verstreichen, das könne sich rächen, zumal Torwart Kevin Trapp nicht in jedem Spiel trotz famoser Paraden seine weiße Weste behalten kann. Auf der anderen Seite sieht Glasner durchaus Fortschritte, denn immerhin komme die Mannschaft überhaupt in derartig aussichtsreiche Situationen.

Immerhin hat der kleine Zwischenspurt mit dem Weiterkommen in der Europa League und sieben Punkten aus drei Bundesligaspielen einen Rest Hoffnung auf das Erreichen des siebten Tabellenplatzes genährt, der möglicherweise zur Teilnahme am internationalen Geschäft, an der Conference League berechtigt. Zwei Punkte auf den 1. FC Köln beträgt der Rückstand. Und ein Endspurt ist dieser Mannschaft zuzutrauen.

Zumal ab den nächsten Heimspielen, also gegen Greuther Fürth am 2. April und FC Barcelona am 7. April, erstmals seit zwei Jahren das Stadion wieder komplett voll gemacht werden kann, wie am Montagmorgen Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier betonte - es gebe »keine Kapazitätsbeschränkungen«, sagte der CDU-Politiker bei einer Pressekonferenz bei der Eintracht. Zudem soll »null G« gelten, ein Geimpften-, Genesenen- oder Getesteten-Nachweis sei also nicht mehr erforderlich. Ob die Eintracht dennoch auf einer Maskenpflicht bestehe, war am Montag noch offen.

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